Tagesberichte – Von Bleiburg nach Thörl Maglern 04.06.19 – 13.06.19

Tag 30: 13.06.2019, Donnerstag

Von Podkoren nach Thörl-Maglern. Strecke 18 km. Gehzeit 5.00 h. Aufstieg 730 m. Abstieg 940 m. Sommerwetter.

Vom äußersten slowenischen Nordwesten, der Oberkrain im Savetal, geht es zunächst zum  Wurzenpass  hoch. Dann folgen wir dem klassischen Südalpenweg 03 am Kamm entlang. An der Berggaststätte Dreiländereck machen wir bei herrlicher Aussicht eine lange Pause.  Dann geht’s hinunter nach Thörl Maglern im Gailtal.
Wolfgang Ambros kommt uns ins Gedächtnis: „die Gailtalerin is wieder do“. Wir bewegen uns heute im Dreiländereck zwischen den Ländern Italien, Österreich und Slowenien. Hier verläuft auch die Grenze zwischen den Karawanken und den karnischen Alpen.  Wie sonst nirgends berühren sich hier die drei großen europäischen Kulturkreise des slawischen, romanischen und germanischen Raumes. Südkärnten hat nach dem Zusammenbruch des habsburgischen Kaiserreich erst 1920 unter jugoslawischen Besatzung per Volksabstimmung mit rund 60 Prozent entschieden, bei Österreich zu bleiben. Mit dem Ende der heutigen Etappe haben wir etwa ein Viertel des Gesamtprojektes der Alpendurchquerung von Ost nach Südwest geschafft. Die Ausrüstung hat sich bewährt. Sowohl die Funktionswäsche als auch der Regenschutz, Schuhe, Karbonfaltstöcke und Rucksack erfüllen die Erwartungen. Dennoch werden wir in den kommenden Tagen bei der Ausrüstung noch etwas nachjustieren. Das Zusammenspiel in unserem Zweierteam klappt reibungslos. Wir machen nun eine längere Regenerationspause. Am Mittwoch, dem 19. Juni geht es dann weiter auf dem Grenzkamm der Karnischen Alpen. Dann gibt es auch den nächsten Tagesbericht.

Tag 29: 12.06.2019, Mittwoch

Vom Alpengasthof Baumgartner nach Podkoren/Slowenien. Strecke 19,7 km. Gehzeit 5.15 h. Aufstieg 950 m. Abstieg 1020 m. Sommerwetter 25 Grad.

Wir gehen um 8.45 h los. Im Tal und über den Bergen hängen immer noch Wolken vom gestrigen, heftigen Gewitter. Im Hotel war gegen 22 h der Strom für 10 Minuten ausgefallen. Direkt hinter dem Hotel geht es steil hoch. Nach 1,5 Std. sind wir 700 m höher und ganz schön verschwitzt. In 1639m machen wir eine längere Pause bei der unbewirtschafteten Mitzl-Moitzl-Hütte mit tollem Blick auf Villach, das Drau- und Gailtal. Auf einer Höhe von 1730m knapp unterhalb des Mallestiger Mittagskogel (1801 m) kommen wir nach Slowenien und finden eine wunderschöne blühende Almwiesen vor. Wir sehen keine Murmeltiere, aber viele ihrer Bauten. Dann geht es für 2,5 Std. stetig und konstant bergab. Weiter in Tal werden die Wege besser. Sie sind nicht nur sehr gut gepflegt, sondern auch ausgezeichnet beschildert – eben ganz anders als in Kärnten. Schöne Ausblicke auf die Berge bei Kranjska Gora. Aus einer Wolke kriegen wir noch etwas Sommerregen ab, während wir sehr schnell gehen. Um 14.30 h sind wir im sehr übersichtlichen Stadtzentrum von Kranjska Gora. Trinken nach dem langen Weg erst mal ein Bier und essen italienisch in einem anderen Lokal. Dann geht’s etwa 25 Minuten nach Podkoren. Um 17.15h sind wir dort.

Almwiese auf 1730 m in Slowenien
Berge bei Kranjska Gora

Tag 28: 11.06.2019, Dienstag

Von Rosenbach zum Alpengasthof Baumgartner. Strecke 17,7 km. Gehzeit 4.40 h. Aufstieg 840 m. Abstieg 520 m. Sommerwetter mit nachmittäglicher Gewitterneigung.

Start ist um 09.00 Uhr. Das Wetter ist drückend warm und wir schwitzen stark. Wir gewinnen schnell an Höhe und schon wird es angenehmer und luftiger. Bald genießen wir einen schönen Ausblick über das weit unter uns liegende Drautal und den Faaker See, während wir – statt Mittagessen – ein Bier trinken. Wieder werden wir auf Verhaltensregeln mit Bären hingewiesen. Dabei sind es nicht die Bären oder Wölfe, die uns beunruhigen, sondern eher die Zecken und übelgelaunte Hofhunde. Eine halbe Stunde schlagen wir uns durch Unterholz und wegloses Gelände bis wir wieder auf den Südalpenweg 03 kommen, der hier teilweise mit dem Alpe Adriaweg parallel läuft. Zum Schluß laufen wir im Eiltempo dem drohenden Nachmittagsgewitter davon und erreichen um 15.15 Uhr die Unterkunft. Gerade noch rechtzeitig bevor es mit Donner und Hagel losgeht. Offensichtlich sind wir schon gut eingelaufen, denn wir unterbieten die üblichen Gehzeiten um etwa 20 Prozent. Gegenüber dem gestrigen Tag war die heutige Etappe schon fast ein Erholungstag.

Immer wieder sind wir im Bärengebiet

Tag 27: 10.06.2019, Montag

Von der Klagenfurter Hütte nach Rosenbach. Strecke 28,0 km. Gehzeit 7.30 h. Aufstieg 830 m. Abstieg 1900 m. Sommerwetter.

Heute war der bisher härteste Tag der Wanderung. Und das, nachdem Hütten sind nicht unbedingt die bequemste Unterkünfte sind, die man sich vorstellen kann. Wir starten um 8.45h, entweder Steige oder Versorgungsweg und anschließend den Weg zum grossen Parkplatz. Um 12h waren wir endlich dort. Es sind am heutigen Pfingstmontag unglaublich viele Wanderer/innen, die in Richtung Klagenfurter Hütte wandern oder mit dem Rad fahren. Am Parkplatz folgen wir dem Hinweisschild „Maria Elend 4 h“ und gehen unserem Weg mit „A“ etwa 1,25 Std steil bergauf. Dann stellen wir fest, dass wir nach ca. 250 hm auf der slowenischen Gradseite sein würden. Wir entscheiden uns, wieder abzusteigen. Zwei Stunden mit etwa 400 Hm hat uns dieser Weg gekostet. Dann gehen wir für ca. 40 Minuten den steilen/nervigen Fahrweg runter. Finden eine Forststrasse, weil das Internet endlich wieder funktioniert. Das bedeutet weitere 13 km vor allem durch Wälder bis zur Unterkunft. Es zog sich schon sehr. Keine Einkehrmöglichkeit unterwegs. Ein paar Trinkpausen, prüfen, ob wir noch richtig unterwegs sind, das war alles. Im Grunde gingen wir ohne Essen von 8.45h bis 17.30h durch. Es war gut, endlich angekommen zu sein.

Tag 26: 09.06.2019, Sonntag

Von Ferlach/Unterbergen zur Klagenfurter Hütte. Strecke 17,7 km. Gehzeit 5:40 h. Aufstieg 1350 m. Abstieg 160 m. Sommerwetter.

Wir starten um 07.50 Uhr am Fuß des Loibl-Passes. Es geht stetig bergauf entlang der Tscheppa bis zur Tscheppaschlucht. Nachdem wir dieses Naturjuwel durchwandert haben, steigen wir auf ins Bodental, wo wir beim Sereinig ein deftiges „Verhackerbrot“ verspeisen. Bequem geht es weiter bis zur Märchenwiese. Ein Schild mit Verhaltensregeln weist uns darauf hin, dass wir uns in einem Bärengebiet befinden. Die letzten 800 Höhenmeter werden auf einem Steig überwunden, der am Schluss noch richtig alpin wird und mit Eisenseilen abgesicherte ist.  Nach einem schneebedeckten Sattel erreichen wir gegen 15.30 Uhr die sehr schön gelegene Hütte.  Es gibt keinen Handy Empfang, somit erfolgt die Erstellung dieses Tagesbericht später als sonst.

Einer der Tscheppa-Wasserfälle
Blick von der Klagenfurter Hütte

Tag 25: 08.06.2019, Samstag

Von Waidisch nach Ferlach/Unterbergen. Strecke 7,7 km. Gehzeit 1:45 h. Aufstieg 120 m. Abstieg 240 m. Sonniges Wetter mit 25 Grad.

Gestern Abend saßen wir lange vor dem Gasthaus mit der riesigen 400jährigen Linde und unterhielten uns mit vielen Leuten. Es war ein Gemisch aus Kärtnerisch, slowenischen und deutsch. Um 21:00 h kamen dann noch 12 Feuerwehrleute von ihrem Einsatz vorbei (Waldbrand in der Nähe mit 400 Feuerwehrleuten und 4 Hubschraubern im Einsatz). Der Hahn hat uns heute dann schon früh geweckt. Der Weg bis Ferlach (17 km von Klagenfurt entfernt und unterhalb des Loibl-Passes) ist kurz. Um Mittag waren wir also ganz locker in Hotel angekommen. Der heutige Tag dient der Regeneration. Das ist für alte Herren wichtig, um das Projekt mit Freude fortzuführen. Waschen, ausruhen, am Pool rumhängen und Kräfte sammeln ist angesagt für die nächsten harten Tage. Und Alex will die Route und Unterkünfte bis zum nächsten Wochenende organisieren. Keine leichte Aufgabe. Wir werden uns voraussichtlich nach der Klagenfurter Hütte am slowenisch/österreichischen Grenzkamm orientieren.

Bei der grossen Linde in Waidisch

Tag 24: 07.06.2019, Freitag

Vom Koschutahaus nach Waidisch. Strecke 11 km. Gehzeit 3:00h. Aufstieg 290 m. Abstieg 1020 m. Sonniges Wetter mit 23 Grad.

Heute und vor allem Morgen haben wir eher gemütliche Tage, auch um uns ein wenig zu erholen. Wir starten um 09.15 Uhr. Es geht eine ganze Weile erst mal die Fahrstrassen hinab, dann steiler auf schmalen Pfaden runter ins Tal. Die wenigen Hütten sind über Pfingsten ausgebucht, deshalb müssen wir auf Unterkünfte im Tal ausweichen. Zwischendurch gehts aber auch kräftig in die Höhe. Schöne Ausblicke auf die Bergkette, meist in Slowenien gelegen und mit vielen Schneefeldern. Wanderer sehen wir nicht. Dann suchen wir den Abstieg nach Waidisch. Trotz Hinweisschild ist nichts zu sehen. Wir entscheiden uns für den „offiziellen“ Fernwanderweg, der schmal, überwuchert, steil und kaum zu erkennen ist. Kritisch sind Stellen, die schmal am Abhang voller Blätter und rutschig sind. Es war nicht einfach. Wir waren daher nicht unglücklich, um 13.00h in Waidisch, bestehend aus Kirche, Feuerwehr, Gasthaus und 5 Häusern im Tal angekommen zu sein. Wie üblich, sind wir die einzigen Gäste.

Das Wasser läuft den Berg runter

Tag 23: 06.06.2019, Donnerstag

Von Eisenkappler Hütte zum Koschutahaus. Strecke 17,6 km. Gehzeit 5:00h. Aufstieg 940 m. Abstieg 1030 m. Sonniges Wetter mit Gewitterneigung am Nachmittag.

Nach einem netten Hüttenabend, allein mit den Wirtsleuten, starten wir gegen 09.15 Uhr. Die Wirtin gibt uns zur Erinnerung und sicherem Geleit zwei Christopherus Plaketten mit. Bevor wir starten, suchen wir auf Empfehlung unserer Gastgeber direkt oberhalb der Hütte nach einem balzenden, aggressiven Auerhahn. Uns zeigt sich das Tier allerdings leider nicht.
Der Weg heute ist abwechslungsreich. Ab dem Schaidasattel nehmen wir den „unteren Weg“ um die Schneefelder am Kamm zu umgehen. Das klappt auch ganz gut. Gegen 15.30 erreichen wir das Koschutahaus. Bleibt noch zu ergänzen: natürlich sind wir wieder einmal die einzigen Übernachtungsgäste. Der Hüttenwirt erzählt abends von einem Bären, der einmal im Jahr vorbeischaut, zwei Schafe reist und zur „Nachspeise“ dann noch einen Bienenkorb ausräumt. Dann holt es sich noch ein paar Fische aus dem Teich. Wir sind halt in einer ursprünglichen Gegend. Kein Internet auf der Hütte.

Tag 22: 05.06.2019, Mittwoch

Von Sittersdorf zur Eisenkappler Hütte. Strecke 19,5 km. Gehzeit 5:30 h. Aufstieg 1.260 m. Abstieg 210 m. Sonniges Wetter bei über 25 Grad.

Schon beim Start um 9.15 h ist es heiß und sonnig. Die ersten 10 km gehen am Rand des Tales entlang. Für jeden Schatten und Wald sind wir froh. Dann wird das Tal eng und um 11.30h biegen wir ab. Die nächsten gut 3 Stunden gehts dann konstant und stetig hoch mit etwa 1.200 Höhenmeter und knapp 10 Kilometern überwiegend auf einem etwas kiesigen Versorgungsweg. Das zieht sich! Schatten gibt es nur kurzzeitig und nicht nur die Träger unserer Rucksäcke werden feucht. Alex empfiehlt ein langsames, aber konsequentes Tempo, um einen „Altherren-Flow“ zu erreichen. Haben wir aber irgendwie nicht geschafft. War einfach ein langer Weg in der Hitze ohne besondere Ausblicke den Berg hinauf. Die Höhepunkte waren schon die Rufe eines Kuckucks, eine halb verweste Gemse am Wegrand und eine etwa 60 cm lange Schlange, die vor uns den Weg kreuzte. Im letzten Teil stiegen wir steiler aufwärts auf schmalen Wanderwegen. Kurz vor 15h folgten wir der Forststrasse, die uns aber zu weit hoch führte. Quer durchs Gebüsch herunter kamen wir endlich im 15.30h an der Eisenkappler Hütte (1553 m) an, wo wir mit Blick auf die slowenischen Steiner/Sulzbacher Alpen (völlig verschneit) erst mal aßen und tranken. Keine Wanderer unterwegs und auch auf der Hütte sind wir die einzigen Gäste.

Unser Blick auf die Steiner Alpen/Slowenien

Tag 21: 04.06.2019, Dienstag

Von Bleiburg nach Sittersdorf. Strecke 24,4 km. Gehzeit 4:35 h. Aufstieg 410 m. Abstieg 380 m. Sonniges Wetter bei über 25 Grad.

Um 9.15 h starten wir bei wolkenlosem Himmel. Es geht über Felder und Waldwege. Die Sonne brennt und Schutzfaktor 50 bei der Sonnecreme ist angesagt. Vor uns die Silhouette der verschneiten Karawanken. Unterwegs klingelt das Telefon, die Koschutahütte ist dran und warnt uns beim Weg vor Schneefeldern. Das ist das tückischste Problem bei Frühsommertouren im Gebirge. Im Ort Sittersdorf kehren wir in einer Gaststätte ein, kaufen Getränke und Verpflegung und wandern damit noch ca. 2 km über heiße Asphaltstrassen bis zu unserer Unterkunft. Dort kommen wir gegen 16.45 Uhr an. Wir haben bei sehr freundlichen Leuten eine über eine ganze Etage reichende Ferienwohnung ganz für uns allein. Sie liegt an einem See. Jeder hat ein separates Schlafzimmer. Leider können wir nur eine Nacht bleiben. Übrigens: wir sind mal wieder die ersten Gäste der Saison und die einzigen im Haus.

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2 Kommentare zu „Tagesberichte – Von Bleiburg nach Thörl Maglern 04.06.19 – 13.06.19

  1. Die zwei Bilder (von der Almwiesen auf 1730 Meter und die Berge bei Kranjska Gora) sind sooooo wunderschön!!! Mir macht es so viel Spaß Ihren Blog zu verfolgen. Ich wünsche wieterhin tolles Wetter und keine böse Hunde!
    Keep your stories and pics coming! 🙂
    Joy

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  2. Männer der wilden Waden, finde nach einer langen literarischen Durststrecke endlich Zugang zu euren Schilderungen der Unermüdlichkeit. Kommt die Inschrift des slowenischen Grenzsteins Juli 1919 von den Verträgen von Saint Gern ein, wo die Aussis ihr Imperium verloren und die Slowenen ihre Unabhängigkeit? Wünsche weiterhin guten Vormarsch.

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