Von Airolo nach Susa – vom 07.08.19 bis 05.09.2019

Tag 113 und 114: Zwei Ruhetage in Susa und zwar am Mittwoch, den 4.9.19 und am Donnerstag, den 5.9.19 nach gut 1.700 km und fast 85.000 Höhenmeter jeweils im Auf- und Abstieg

Tag 112: 03.09.2019, Dienstag

Von Capanna Sociale Ravetta nach Susa. Strecke 17,4 km. Gehzeit 4.45 h. Aufstieg 120 m. Abstieg 2130 m. Morgens sonnig, ab Mittag bewölkt, angenehmes Wanderwetter.

Auf der Hütte Capanna Sociale Aurelio Ravetta auf 2545 m sind wir die einzigen Gäste. Die Hütte war früher eine Kaserne der Alpini. Wir bekommen ein gutes Abendessen und zur besseren Verdauung bekommen wir vom Wirt nach dem Kaffee ein Génépi. Nach alter Tradition wird in den Südalpen jeweils im Herbst bei einem Sonntagsspaziergang im Gebirge die Edelraute – französisch Génépi – gepflückt. Die Pflanze steht unter Naturschutz. Erlaubt ist aber, für den Eigenbedarf bis zu 40 Zweige zu pflücken. Dazu werden die Zweige 40 Tage lang in 90-prozentigem Alkohol eingelegt. Dann wird die Flüssigkeit abgesiebt. Hinzu kommen  Würfelzucker sowie die gleiche Menge Wasser wie Alkohol, so dass sich der Alkoholgehalt halbiert. Dieses Rezept erklärt uns der Hüttenwirte in schnellem schnoddrigen, dialektgefärbten Italienisch (Bild). Wir verstehen nur Bahnhof, vollziehen aber später in Susa seine Erklärungen in Google nach. Nach dem Génépi verbringen wir eine ziemlich kalte Nacht im Matrazenlager – unsere Daunenquilts bewähren sich. Dann geht es nach dem Frühstück um 08:30 Uhr los. Es ist ein wundervoller Morgen. Über der Poebene sind dichte Wolken, die Berge sind aber vollkommen frei. Ein langer Abstieg mit über zweitausend Höhenmetern hinunter nach Susa steht an. Nach 20 Minuten erleben wir ein tolles Panorama. Ganz im Süden sehen wir zum ersten Mal in grosser Ferne den Monte Viso, die Pyramide des Rocciamelone steht über uns und im Westen zeigen sich die eisgepanzerten Gipfel der Meije und der Ecrins. 20 Meter von unserem Steig sonnt sich ein junger Steinbock (Bild). Das Tal von Susa bildet die Grenze zwischen den Cottischen Alpen im Süden und den Grajischen Alpen im Norden. Susa ist auf unserem Weg ein weiterer Meilenstein, wie es Meran oder Airolo schon waren. In Susa war ursprünglich die vierte und letzte mehrtägige Pause geplant. Davon sind wir nun aber abgekommen. Wir planen zwei Ruhetage, dann geht’s weiter. Bis Ende September wollen wir am Ziel ankommen. Rudi bekommt in Susa Besuch von seiner Frau und seinem Freund Manfred. Zur Tour heute gibt es nicht viel zu berichten. Über gute Wege geht es zum Posto Tappa IL Trucco. Dort machen wir eine kleine Pause. Von dort geht es weiter hinunter ins historische Zentrum von Susa, wo wir gegen 15:30 Uhr eintreffen. Hier herrschen mit 28 Grad noch hochsommerliche Temperaturen. Rudi ist am heutigen Abend mit seiner Frau und seinem Freund unterwegs, Alex hat sich frei genommen und ist auf eigene Faust auf Achse. Susa ist aber so überschaubar, dass wir uns dauernd treffen. Sogar das gleiche Restaurant suchen wir uns aus.

Erläuterung des Wirts zur Herstellung des Kräuterschnapses auf der Hütte in 2545m
Junger Steinbock 20m neben dem Steig
Wolkenspiel über dem Tal der Dora
Kirche in Susa, der Rocciamelone im Hintergrund

Tag 111: 02.09.2019, Montag

Von Usseglio nach Capanna Sociale Aurelio Ravetta. Strecke 14,4 km. Gehzeit 4.30 h. Aufstieg 1340 m. Abstieg 50 m. Morgens sonnig, ab Mittag bewölkt, den ganzen Tag trocken.

Ein gutes und reichhaltiges Frühstück um 7.30h zusammen mit Renate, der Schweizerin und ein gemütlicher Start bei sonnigem Wetter um 9.00h. Von Usseglio in einer Höhe von 1265m ist unser Ziel eine Übernachtung auf der Capanna Sociale Aurelio Ravetta auf 2545m. Heute machen wir die Aufstiegsmeter, morgen kommen dann die Abstiegsmeter nach Susa auf 494m. Der Weg geht angenehm entlang des Bachlaufes durch niedriges, feuchtes Gras, bis wir in Margone ankommen. Wir entscheiden uns für die kaum befahrene Militärstrasse hoch zum Lago di Malciaussia (1850m), wo wir um 11.30h im Rifugio Vulpot ankommen. Wir essen und trinken zu Mittag. Gut gestärkt und bei weiterhin gutem Wetter brauchen wir knapp 2 Stunden auf einem steilen, aber gut begehbaren Maultierpfad (Mulatteria) bis zum Colle Croce di Ferra, von wo aus wir kurz tief ins Tal sehen können, dann aber Nebel bzw. Wolken vom Tal hochziehen, die die wärmende Sonne verdunkeln und eine unangenehme Kälte mitbringen. Wir sind ja fast auf 2500m und wir ziehen mehrere Schichten Kleidung drüber. Trotzdem fröstelt es uns auch um 16h in der Gaststube, wo leider kein Feuer brennt. Die dicken Mauern der ehemaligen Kaserne lassen keine Wärme rein. Innen ist es unangenehm feuchtkalt, aussen nur dann erträglich, wenn mal kurz die Sonne durchkommt. Der Wirt hat Mitleid mit uns und legt um 17h Holz in den Ofen. Das lange Ofenrohr im Raum hilft, dass es bald erträglicher wird. Und grossen Applaus und Respekt für Dietmar, der uns so 2,5 Wochen begleitet hat: Er hat die Strecke Wien-Nizza nur 3 Monate und 10 Tage benötigt und ist heute in Nizza angekommen. Er war unglaublich schnell! Hier das Beweisfoto.

Dietmar in Nizza zum Abkühlen der Füsse

Tag 110: 01.09.2019, Sonntag

Von Balme nach Usseglio. Strecke 15,1 km. Gehzeit 6.15 h. Aufstieg 1200 m. Abstieg 1340 m. Morgens sonnig, dann ab Mittag bewölkt, den ganzen Tag trocken.

Gestern wurden wir nass. Unsere Schuhe und Socken triefen, wir haben eigentlich keine Chance sie über Nacht zu trocknen. Zeitungspapier zum Ausstopfen lässt sich nicht auftreiben. In unserer Notunterkunft, dem wohl schon lange ich mehr vermieteten Appartement, ist es zudem kalt und feucht. Einen Föhn gibt es nicht – aber dafür einen Backofen. Das ist die Lösung. Wir widmen das Gerät kurzerhand um zur Schuh- und Sockentrockenmaschine (Bild). Das birgt zwar ein gewisses Risiko – funktioniert aber letztlich. Als Programm wählen wir 100 Grad Unter- und Oberhitze, als Garzeit 60 Minuten. Siehe da, die Schuhe sind nach dieser Zeit ziemlich trocken, die dampfenden Socken schon weit vorher. Die Sohlen bleiben an den Schuhen dran und das Leder nimmt keinen sichtbaren Schaden. Ist ja eh schon wasserdurchlässig. Als Zusatznutzen haben wir auch noch eine wohltemperierte Bude. So geht es mit trockenen Socken und Schuhen heute vom Tal der Ala ab 08.30 Uhr ins Tal der Viu nach Usseglio. Herüben weit hinauf und drüben weit hinunter. So ist die Routine. Es ist aber wieder eine anspruchsvolle Etappe bei – Gott sei Dank – ordentlichem Wetter. Morgens beste Sicht auf den Uia di Cimarella über Balme (Bild). Ab Mittag zieht es dann zu, wie das Bild über dem Valle di Viu zeigt. Es bleibt heute aber den ganzen Tag trocken. Zunächst suchen wir zum Beginn der Tour den richtigen Einstieg, dann geht es kontinuierlich ansteigend  am Bivacco Gino Gandolfo vorbei auf den Passo Paschiet (2435 m). Dann weiter nach kurzem Abstieg zum höchsten Punkt für heute, dem Colle Costa Fiorita (2465 m). Der Abstieg ins Valle di Viu ist dann anspruchsvoll. Es geht pfeilgerade über Wiesenwege und Platten ins Tal. Die Markierung ist diese Mal OK. Wir müssen aber hochkonzentriert gehen. Seit einigen Tagen ist der Weg der GTA identisch mit der Via Alpina. Die Via Alpina ist ein grenzüberschreitender Wanderweg von Triest nach Monaco und durchquert auf ihren fünf Routen die acht Alpenstaaten Italien, Slowenien, Deutschland, Österreich, die Schweiz, Liechtenstein, Frankreich und Monaco. Sie wurde 1999 in Grenoble initiiert. Sie dient, nach der Idee der GTA, auch der Förderung einer nachhaltigen Entwicklung im Alpenraum. Wir kommen ziemlich müde um 15:30 Uhr in Usseglio an. Entschädigt werden wir durch ein sauberes Zimmer in der Albergo Rocciamelone, die ein wunderschönes Jugendstilambiente hat (Bild).

Unsere Schuh- und Sockentrocknungsmaschine (bei 100 Grad Ober- und Unterhitze)
Uia di Cimarella über Balme
Nachmittagswolken über dem Tal von Usseglio
Der Barraum im Jugendstilhotel Albergo Rocciamelone in Usseglio

Tag 109: 31.08.2019, Samstag

Von Pialpetta nach Balme. Strecke 17,1 km. Gehzeit 7.30 h. Aufstieg 1510 m. Abstieg 1160 m. Morgens sonnig, dann bald bewölkt, Regen, Wolken/Nebel, wieder Regen und Graupeln, dann bewölkt, kühl und unangenehm.

Gestern von einem Lanzotal ins nächste, war schon hart. Heute von Pialpetto ins nächste Lanzotal war aber deutlich härter: Eine längere Strecke mit mehr Höhenmeter im Anstieg. Also 4 Stunden steil hoch von 1054m auf den Colle di Trione auf 2485m, dann runter nach Balme auf 1500m. Alles schön verteilt über 17,5 km. Anstregend zwar, aber letztlich fast normal und machbar. Allerdings geht der Tag schon schlecht an. Die Insulinspritze von Rudi klemmt beim Einlegen einer neuen Patrone, so kommen wir erst um 7.45h zum Frühstück, das enttäuschend war (wer mag schon Biscotti-Zwieback mit Marmelade?). So starten wir erst um 8.45h. Es scheint aber die Sonne und es könnte ein guter Tag werden. Ab 9.00h an der Staumauer von Ceresole geht es schattig nach oben. Nach 1,5 Stunden die ersten Regentropfen und gleich wird es kühler. Noch 2,5 Stunden zum Colle. Wir ziehen etwas Regenschutz über und stellen uns mit Regenschutz in einen alten, verfallenen Kuhstall. Es prasselt runter und nach 45 Minuten nehmen wir unser Ziel ins Auge. Das nasse Grass und die nassen Felsen machen das Hochsteigen nicht einfacher. Wir verirren uns etwas und eine Schweizerin macht uns auf den Fehler aufmerksam. Kurzzeitig hört der Regen (mit Graupeln) mal auf, um dann umso stärker anzufangen. Es prasselt kräftig und erst um 13.30h, nach mehr als 5,5 Stunden, überschreiten wir den Übergang ins nächste Tal. Oben bleiben wir nicht stehen, sondern gehen im Regen gleich (runter in Richtung Tal) unverzüglich weiter. Es geht abwärts und auf dem Pfad sammelt sich schnell Wasser. In unseren Schuhen und Socken steht das Wasser. Nach einer guten Stunde lässt der Regen nach. Es bleibt aber kühl und es ist unangenehm. Nasse Socken und Schuhe machen auch keinen Spass. Dann suchen wir einen Weg ins Tal, absolut kein leichtes Unterfangen. Gegen 16h hört der Regen endlich wieder auf, dazwischen immer auch wieder Wolken und Nebel. Gegen 16.30h sehen wir etwas vom Tal. Es ist anstrengend, dann noch bis 18 h nach Balme zugehen. Wir bekommen noch ein kühles Ferienappartement, alles ist sonst belegt und wir sind damit zufrieden. Abendessen ist sehr gut.

Die verlassene Alm Gias di Mezzo, wo wir uns wegen des Regens untergestellt haben. Zum Glück sieht man die Überbleibsel der Kühe nicht.

Tag 108: 30.08.2019, Freitag

Von Ceresole Reale nach Pialpetta. Strecke 15,00 km. Gehzeit 6.00 h. Aufstieg 1140 m. Abstieg 1520 m. Morgens wolkenloser blauer Himmel, sonnig, den ganzen Tag ruhiges Spätsommerwetter.

Los geht’s um 08.30 Uhr. In den nächsten Tagen stehen die drei Lanzotäler auf dem Programm. Als der Tourismus aufkam, waren die Täler eine beliebte Destination für die Sommerfrischler aus der nahen piemontesischen Hauptstadt Turin. In die andere Richtung nach Westen gab es über den Gebirgskamm regen Austausch mit der heute französischen Maurienne. Bei unserer Nord-Südwanderung durch die tief eingeschnitten Täler bis ins Susa Tal sind die Höhenunterschiede besonders krass. Heute stehen über 1100 m im Aufstieg und, fast noch härter, über 1500 m im Abstieg an. Zunächst steigen wir von rund 1400 m auf den Colle della Crocetta (2641 m) hinauf. Es eröffnen sich schöne Blicke auf die Paradiso Gruppe und einige Gipfel der Vanoise. Genauso steil wie der Aufstieg gestaltet sich der Abstieg in das Sturatal, nur länger. Mit dem Wetter haben wir Glück. Am Vormittag deutet sich schon das künftige kläre, ruhige Herbstwetter mit angenehmer Kühle an. Außer einer Alleinewanderin aus der Schweiz treffen wir keine Menschenseele. In Pialpetta kommen wir um 15.30 Uhr an und haben bei der Quartiersuche die volle Wahlfreiheit. Wir entscheiden uns gegen das Posto Tappa und für ein Albergo mit Doppelzimmer, HP und Dusche. Die Einheimischen sind sehr gesprächig, einige Ältere können etwas Deutsch, weil sie bei uns gearbeitet haben. Die älteren Herren hier gestalten ihre Pension etwas beschaulicher als wir. Sie sitzen an der Bar oder draußen an der Straße, drinken ihr Glas Rotwein, spielen Karten oder unterhalten sich. So richtig verstehen sie unser Vorhaben nicht, sparen aber nicht mit Lob und Anerkennung. Generell fühlen wir Tedesci uns gut, spüren allerdings die Knie, was aber bei der Belastung in unserem Alter normal sein dürfte. Morgen geht es weiter anstrengend ins Tal der Ala ins Bergsteiger Dorf Balme.

Blick auf den Col Nivolet, die Südwände der Paradisogruppe und den Lago di Ceresole
Alex auf dem Colle della Crocetta (2641m)
Auch Rudi war auf dem Colle della Crocetta (2641m)

Tag 107: 29.08.2019, Donnerstag

Von Noasca nach Ceresole Reale. Strecke 12,3 km. Gehzeit 4.30 h. Aufstieg 1000 m. Abstieg 550 m. Morgens wolkenloser blauer Himmel, sonnig, trocken, warm, angenehmes Wanderwetter.

Endlich ein wolkenloser blauer Himmel am Morgen in Noasca auf 1058m Höhe. Steile Berge und ein ganz enges Tal mit nur wenigen Häusern. Das Ziel ist heute Ceresole Reale auf 1494m. Über die Strasse ist das Ziel in gut 2,5 Stunden zu erreichen, wir folgen aber dem Weg der Grande Traversata und dieser soll im Vergleich mit den vergangenen 2 Tagen heute eine Erholungsetappe sein. Ja, wir spüren heute nicht nur unsere Knie nach 60 km, 1400 m im Aufstieg und 1200m im Abstieg innerhalb der letzten beide Tage. Und ab morgen sind dann 3 harte Wandertage durch die Lanzotäler geplant, die eben alles andere als Spaziergänge sein werden. Gestern hatten wir ein prima Abendessen mit einem tollen Vorspeisentisch, der uns allein fürs Abendessen gereicht hätte. Das wars natürlich nicht, denn es gibt stets Primo (Linsensuppe bzw. Ravioli) und Secondo (wir hatten je eine ganze Forelle) und diesmal verzichteten auf das üppige Kuchenangebot. Weil wir keinen Kuchen hatte, berechnete die Wirtin den Liter Rotwein nicht. Ein guter Tausch. Jeder von uns trank aber auch einen Liter Wasser. Das Frühstück heute Morgen war prima und gut gestärkt gehen wir um 9.00h los. Alle anderen GTA-Wanderer sind da schon unterwegs. Wie üblich, überholen wir Einige in den nächsten Stunden. Logischerweise geht es steil den Berg hinauf, auf Serpentinenstrassen, Wanderwegen oder den alten, sehr gut erhaltenen Maultierpfaden, die den Zugang zu den Siedlungen so 500m über dem steilen Tal sicher stellten. Wir kommen dann durch einige dieser heute verlassenen Siedlungen, wo es auch eine Schule gab, die erst 1962 geschlossen wurde. Der Talabschluss vor einer Reihe von hohen Bergen (sind so 3000m hoch) und im Jagdgebiet von König Vittorio Emanuele II. ist dann ein eindrucksvoller Wasserfall. Nach 3 Stunden machen wir eine Trinkpause kurz vor dem Pra de Cres (1964m). Es zieht sich dann im Auf und Ab auf gut erkennbaren Wegen bis zur Casa Bianca (1947 m) und erst dann geht es endlich abwärts. Da spüren wir unsere Knie wieder. Wir haben nichts dagegen, als wir um 14h bei unserem Hotel ankommen, um uns zu duschen und unsere Wanderkleidung waschen zu können. Erst in 5 Tagen in Susa werden wir die Möglichkeit haben, alles mal in eine Waschmaschine zu stecken.

So sehen diese verlassenen Siedlungen heute aus.
Bis 1962 wurde in diesem Schulraum in heute verlassenen Siedlungen unterrichtet.
Das Wichtige ist der Wasserfall im Hintergrund, der das Tal abschliesst

Tag 106: 28.08.2019, Mittwoch

Von Cuorgne nach Noasca. Strecke 32,3 km. Gehzeit 6.50 h. Aufstieg 1210 m. Abstieg 580 m. Morgens starkes Gewitter, den ganzen Tag bewölkt, meist trocken, angenehmer Wind.

Um 09.30 Uhr starten wir nach einem starken Morgengewitter. In einer schwülwarmen Sommernacht haben sich Gewitterzellen gebildet. Hier unten im Tal des Orco hindert uns das nicht am Aufbruch. Auf den Passhöhen würde sich das anders darstellen. Ein angenehm kühler Wind nach dem Platzregen erleichtert das Gehen. Es ist heute wieder eine lange Wanderung mit über 30 Kilometern und 1200 Aufstiegsmetern angesagt. Die Steigung verteilt sich aber auf eine lange Distanz und ist daher kaum spürbar. Um etwas Zeit zu sparen und gammlige Posti Tappe zu umgehen, eine Zwangspause durch Gewitter zu vermeiden, haben wir die Grande Traversata für einen Tag verlassen. Heute Abend sind wir aber in Noasca wieder in der Spur. Die Wanderwege auf der GTA sind nicht mit den uns bekannten Wanderwegen in den Ost- oder Zentralalpen vergleichbar. Alles ist archaischer, ungeordneter, unberechenbarer und  ursprünglicher. Die Wegweisung erfolgt sporadisch und ohne System. Die Wege sind teilweise eingewachsen und kaum erkennbar. Markierungen wechseln die Farbe, sind dort oft üppig vorhanden, wo man sie eigentlich nicht braucht, fehlen dafür aber dann an entscheidenden Wegegabelungen. Prof. Bätzig hatte mit der GTA die lobenswert Idee, die Landflucht in den entlegenen Tälern mit Hilfe des Tourismus etwas zu mildern und für die Menschen dort eine neue wirtschaftliche Grundlage zu schaffen. Das funktioniert, zumindest partiell. Die Bürgermeister der Kommunen oder die Wirte der Unterkünfte zeigen aber an Aufgaben, die über ihren Horizont hinausgehen, kaum Interesse. Übergeordnete Tourismusverbände, wie bei uns, gibt es hier wohl nicht. Das ist schade, denn mit wenig Aufwand, etwas Pflege der Wege und Verbesserung der Wegweisung könnte man hier viel erreichen. Hier fachmännisch zu beraten, wäre ein attraktiver Job für altruistische Pensionäre – wir gehören aber nicht zu dieser Kategorie. Man braucht halt für die Wegefindung etwas Instinkt, Erfahrung, eine Karte oder, noch besser, einen guten GPS Track. Drei dieser vier definierten Anforderungen erfüllen wir. Vielleicht macht es auch gelegentlich mehr Spaß, wenn nicht alles so durchorganisiert ist, wie bei uns. Die Mentalität der Menschen hier, die unverbrauchte Freundlichkeit, das gute Essen und Trinken, die urige Landschaft, das noch ursprüngliche Ambiente gleicht das nicht nur aus, sondern lässt das gesamte Unternehmen auf der GTA zu etwas Besonderem werden. Wir kommen heute nach anstrengender und langer Wanderung bei bedeckte Himmel am Albergo und Posto Tappa Gran Paradiso gegen 18.00 Uhr an. Wir freuen uns auf das Abendessen. Die Küche der Albergo hat einen excellenten Ruf. Für die kommenden Tage sind weitere Gewitter angesagt.

Viele Reptilien suchen die Wärme der Strasse. Und werden dann manchmal
überfahren.
Noasca mit dem bekannten Wasserfall von „grauenhafter Schönheit“ (so Alpen-Forscher Tschudi)

Tag 105: 27.08.2019, Dienstag

Von Traversella nach Cuorgne. Strecke 27,4 km. Gehzeit 6.00 h. Aufstieg 199 m. Abstieg 600 m. Teilweise bewölkt, meist sonnig bei bis zu 29 Grad.

Haben gestern Abend wieder ausgezeichnet in der Halbpension gegessen, die Betten waren prima und die Glocken der Kirche vor dem Hotel haben uns zu einem späten (ab 8.00h), aber guten Frühstück gerufen. So gestärkt starten wir fit bei bewölktem Himmel vom Talende, dem kleinen Ort Traversella, den langen Weg hinunter und rüber nach Cuorgne. Wir wohnten in Traversella am Platz der Märtyrer. Hier haben deutsche Soldaten am 14.10.1944 eine Gruppe von 14 Männern erschossen, die als Teil der kommunistischen Partisanen (es gab sehr unterschiedliche Gruppen) in der Nacht gefangen genommen wurden. Die damals akkurat geschriebene Warnung „Achtung!  Bandentätigkeit!“ über einem Ausspruch von Mussolini ist immer noch an einer Hauswand (restauriert) zu lesen. Es gibt uns schon zu denken. Auf der einen Seite sind solche Vorgänge vor unserer Zeit passiert, aber was in den letzten 100 Jahren in Kriegen an den Grenzen zwischen Österreich/Kärnten, Slowenien, Italien passiert ist, das ist doch erschreckend. Wie selbstverständlich ist es für uns, Länder und Grenzen zu überschreiten, meist nicht mal eine Staatsgrenze zu sehen und ohne einen Ausweis vorzulegen. Wir waren bis jetzt in Österreich, Slowenien, Schweiz und Italien. Am Schluss kommt noch Frankreich. Offene Grenzen sind – gerade mit Blick auf die Vergangenheit – etwas wundervolles. Aber zurück zum heutigen Tag: Es geht leicht abwärts, es ist bewölkt, auf der Strasse ist wenig Verkehr. Wir gehen für 1,5 Stunden schnell mit einer Geschwindigkeit von gut 5 km/h, biegen dann für 45 Minuten durch Wald und am Bach entlang ab und kommen gegen 12.15h in Vidraco an, wo wir im kleinen Kaufhaus Pause machen und eine Pasta essen. Gegen 13h gehen wir gestärkt los. Meist an der Strasse entlang, die Sonne brennt runter, auf holprigen Wegen zwischen Maisfeldern, wir sehen eine Temperaturanzeige „29 Grad“, und wir sind ziemlich platt um 16.00h, als wir in Cuorgne im Albergo Astoria im Ortszentrum ankommen (klingt besser, als es ist, es steht zum Verkauf). Die übliche Routine: Duschen, waschen, trinken, dann richtig Essen und Trinken, schlafen.

Schriftzug vom Herbst 1944 in Traversella
Rudi auf der Hängebrücke über der Chiusella

Tag 104: 26.08.2019, Montag

Von Agriturismo Le Capanne nach Traversella. Strecke 11,4 km. Gehzeit 4:00 h. Aufstieg 680 m. Abstieg 1260 m. Sonne und Wolken, angenehmes Wanderwetter.

Vom Agriturismo Le Capanne geht es um 08.45 Uhr 600 Höhenmeter hinauf zum Colle di Pian Spergiuati (2036 m). Bis wir auf dem Colle sind, ist alles wieder in Wolken getaucht. Es gibt also keine Fernsicht. Dann beginnt der Abstieg über die Alpe Chiaromonte ins Val Chiusella. Auf der Alpe Chiramonte wirtschaftet seit Jahren das Urgestein Georgio (62 Jahre). Er ist über Monate mit seinen Viechern, darunter zwei Hunde, ein Pony und ein Maulesel, alleine und verkauft Käse an GTA Wanderer. Sein Bild hat sogar Eingang in den Rother Wanderführer gefunden. Auch von uns lässt er sich bereitwillig ablichten (Bild). Nach1260 m kniestrapazierenden  Abstiegsmetern kommen wir um 13.45 Uhr in Traversella an. Man sieht und erlebt auf der Tour schon einiges. Nicht über alles will und soll man berichten. Gestern Abend haben wir aber wieder einmal für wenig Geld  excellent gegessen und getrunken. Zum Abendessen steht automatisch eine Flasche Wasser und Rotwein auf dem Tisch. Gestern  war es einen guter Babera, vorgestern ein Nebbiolo. Die Speisen und deren Reihenfolge legt der Wirt fest. Man kann nicht bestellen. Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt. Wir beginnen mit gemischten Vorspeisen, dann folgt die übliche Pasta als Primo, als Secondo wird gebratenes Fleisch mit Gemüse serviert, dann gibt es eine Käseauswahl von vier verschiedenen Käse aus der Region. Es folgt ein grosser Obstteller mit zwei Pfirsichen, einem Apfel, einer Birne und Trauben allein für uns beide. Am Schluss wird der Espresso serviert. Mit der Übernachtung in einem sauberen Zimmer, der Wurstplatte (Lardo, Salami) und den Getränken vom Nachmittag und Abend zahlen wir pro Person nur 50 Euro. So gut diese Leistung ist, so miserabel sind die Sanitäranlagen. Für die zahlreichen italienischen Tagesgäste und die Wanderer stehen genau zwei gammlige, ungeputzte Toiletten zur Verfügung. Eine Sitztoilette hat keine Brille, alles ist nass – nicht nur vom Wasser. In einer der beiden Klos ist die Dusche ohne Vorhang integriert. Damit sind beide Einrichtungen faktisch nicht benutzbar. Die zweite Toilette ist ein Stehklo in bedauernswertem Zustand. Man kann halt nicht alles haben. Was Übernachtungsgäste betrifft, ist die Unterkunft mal wieder fest in deutscher, genauer in bayerischer und schwäbische Hand. Italiener machen meist nur Tagesausflüge, essen und trinken und wandern nicht mehrtägig auf der GTA. Eine Bayerische Gruppe aus dem Raum Murnau hat ein zehnjähriges Mädchen dabei, die Maria. Sie ist ein ganz nettes und ein kerniges Kind. Maria geht nicht nur die vollen GTA Etappen mit eigenem Rucksack, sie geht sogar alles barfuss. Die Pässe über 2000 m, nasse Platten, spitze Steine, Brennesseln, Disteln, Matsch etc. Das stört sie alles nicht. Nur ein rostiger Nagel hätte sie beinahe gebremst. Die Wunde ist aber schnell und ohne Entzündung geheilt. Wir fotografieren Maria und versprechen ihr, das Bild in unseren Blog aufzunehmen. Sie wird vielleicht einen neuen Trend begründen. Mal sehen……

Maria (10 Jahre) geht den GTA barfuss, daneben ihr Vater
Almwirt Giorgio (72 Jahre) verkauft eigenen Käse

Tag 103: 25.08.2019, Sonntag

Von Quincinetto zur Agriculture Le Capanne. Strecke 5,9 km. Gehzeit 2.30h. Aufstieg 1060 m. Abstieg 20 m. Sonnig und warm.

Nach einem überaus guten Frühstück in Quincinetto lassen wir uns Zeit und müssen auch etwas verdauen. Bald scheint die Sonne und es wird warm. Quincinetto ist im Rotherführer für den GTA als Übernachtungsstation empfohlen. Allerdings sind 2 Hotels geschlossen und dann gibt es nur noch unser Bed&Breakfast mit genau 3 Zimmern (für 6 Personen). Einige Wanderer haben im Zelt am Haus übernachtet. Um 9.30 h starten wir den Aufstieg zur Agriculture Le Capanne, die sich auf einer Höhe von 1400m befindet. Steil, richtig steil über einen alten und steinigen Maultierpfad geht es einfach hoch. Wir haben 1100 Höhenmeter zu bewältigen. Es ist warm und sonnig und in kurzer Zeit fangen wir zu schwitzen an. Unsere T-Shirts sind nach einer Stunde klatschnass. Das ist uns auf allen Etappen bisher so nicht passiert. Wir gehen zügig, machen nur eine kurze Trinkpause und sind nach 2,5 Stunden (kein schlechter Wert für rd. 1100 m im Aufstieg) bei unserer Unterkunft. Dort ist es in der Sonne angenehm, im Schatten fast zu kühl. Die heutige Wanderkleidung wird gleich gewaschen und wir haben einen halben Erholungstag. Die letzten Tage stecken uns schon noch in der Beinmuskulatur. Dafür freuen wir uns auf das Abendessen und die leckeren Speisen, die hier den ca. 50 Speisenden (die mit dem Auto hochgefahren sind) heute am Sonntag innerhalb von 3 Stunden serviert werden. Wir prüfen kritisch die GTA-Wegbeschreibung, weil u.a. auch eine Busfahrt über 9 km vorgesehen ist. Dies ist nicht in unserem Sinne. In Susa (westlich und nahe bei Turin) wollen wir in ca. 9 Tagen eine Pause einlegen und unsere Ausrüstung für die letzten gut 3 Wochen auf Vordermann bringen. Eine Ankunft in Nizza wäre dann zum Ende des Septembers möglich.

Tag 102: 24.08.2019, Samstag

Von der Rifugio Coda nach Quincinetto. Strecke 20,1 km. Gehzeit 6:15 h. Aufstieg 220 m. Abstieg 2140 m. Sonnig mit Wolken, gutes Wanderwetter. Im Aostatal sehr warm.

Von der Rifugio Coda (2280 m) starten wir um 08.30 Uhr. Es ist eine gemütliche, saubere Hütte von zwei Schwestern gemanagt. Die Hütte ist am gestrigen Abend fest in der Hand deutscher Wanderer. Wir sind nur zu siebt. Ein Ehepaar, eine alleinwandetnde junge Frau, neben uns beiden zwei weitere ältere Herren. Gestern haben wir gleich die Wetterküche der Region kennengelernt. Um 08.00 Uhr war es in den Bergen vollkommen klar, die Poebene im Dunst. Schon am Vormittag hat es die feuchte Luft der Ebene dann gegen die Berge gedrückt. In kurzer Zeit bilden sich Wolken mit Gewitterneigung. Heute Morgen ist es wieder klar mit blauem Himmel. Wir haben beschlossen, den langen Weg bis Quincinetto ins Aostatal an einem Stück zu gehen. Wir wundern uns selbst, dass das unsere Knie so durchhalten. Zunächst gehen wir aber aussichtsreich auf die Punta della Sella (2315m). Von hier sehen wir endlich mal den Monte Rosastock jetzt schon im Norden. Im Westen sind Mont Blanc und Gran Paradiso deutlich erkennbar. Wir nehmen dann die Route zum Colle della Lace (2120 m). Dann geht es nur noch abwärts. Im Rifugio Maletto auf 1036 m machen wir um 13.00 Uhr eine Essenspause. Unser Weg zur Dora Baltea im Aostatal führt hinunter bis auf 295 Meter Seehöhe. Tiefer waren wir bisher nur im Val Grande bei Villadossola. Noch tiefer werden wir nur bei unserer Ankunft am Meer sein. Man spürt hier in Qincinetto noch den Hochsommer und den Süden. An dieser Stelle des Aostatals wird angeblich einer der besten Nebbioloweine gekeltert. Das Tal trennt die Walliser Alpen von den Grajischen. Die beherrschende Gebirgsgruppe ist nun die Gran Paradiso Gruppe. Alex ist die Region bekannt durch die Heeresbergführerausbildung, historisch war die Region das Lieblingsjagdrevier des Königs der italienischen Einigung, Vittorio Emanuele Secondo. Damals neben den treibenden Kräften Garibaldi und Cavour Schlüsselperson des Risorgimentos. Um 17.00 h kommen wir in unserer Unterkunft, der Casa Val an. Die La Mamma begrüßt uns herzlich, gibt uns ihr Notquartier, weil sonst alle Zimmer reserviert sind. Serviert Bier, stellt 4 Flaschen im Brunnen kalt und reserviert zwei Plätze in einem Restaurant in der Nähe. Sie reserviert uns auch die Unterkunft für morgen in den Bergen. Eine anspruchsvolle, aber schöne Tour geht mit einem schönen Abendessen und einem Liter Nebbiolo zu Ende. PS: Es gibt noch Bier im Brunnen.

Colle della Lace (2120m)

Tag 101: 23.08.2019, Freitag

Von Oropa nach Rifugio Coda. Strecke 10,2 km. Gehzeit 4.15 h. Aufstieg 1150 m. Abstieg 100 m. Erst sonnig, dann kurz Regen, dann alles feucht, dann bewölkt, Nebel und Wolken.

Das Cafe zum Frühstück öffnet erst um 8h und es gibt ausser Brioches, die nicht gerade die ideale Basis für eine Wanderung sind, nur einen geschmacklosen Toast, wo die Scheibe Schmelzkäse nur die Funktion hat, dass die beiden Toastscheiben zusammen kleben. Geschmacklich existiert der Käse nicht. Dafür hatten wir gestern Abend ein tolles Abendessen. Das Menü für 20€ bestand aus einem Appetizer aus 3 Teilen der Speisekarte, dann gab es eine grosse Portion Pasta Bolognese, als Secondo einen Kalbsbraten oder eine halbe Schweinshaxe mit Bohnen, als Dessert Sorbet, Kuchen etc., dann einen Espresso, einen Liter Mineralwasser, ein Viertel Barbera (rot) oder Arneis (weiss), Brot und Grissini und auch einschließlich dem Coperto. Das war für eine Person. Wir hatten noch einen weitere halben Liter Barbera (gemeinsam), für den wir nicht zahlen mussten. Das nennen wir die richtige Wandererkost zum Tagesausklang und selten waren 20€ besser ausgegeben. Die Qualität war nämlich super und passte zu unserem heutigen kleinen Jubiläum, dem 100. Tag unserer Tour. Umso enttäuschender ist das heutige Frühstück im Cafe daneben. Laut dem Rotherführer startet die Tour am Ende des Seilbahn auf einer Höhe von 1870 m. Oropa liegt aber dummerweise auf einer Höhe von 1148 m. Wir haben die Maxime, tatsächlich jeden Meter vom Stephansdom in Wien bis Nizza zu Fuss zu gehen und nehmen also nicht die Seilbahn, sondern steigen zu Fuss hoch. Der Himmel ist blau und fast wolkenlos und wir freuen uns auf einen Tag mit gutem Wetter und ohne Regen. Es sind also gut 700 Höhenmeter auf einer aufgelassenen Fahrstrasse und dann einen gut erkennbaren Steig hoch bis kurz unterhalb der Seilbahnstation zum Refugio Rosazza, wo wir nach 2 Stunden um 11h ankommen. Wir lassen uns ein leckeres grosses Brot mit Salami bzw. Salami und Käse richten und trinken dazu Mineralwasser. Schmeckt prima zu erstaunlich günstigen Preisen. Währenddessen ziehen Wolken vom Tal hoch und wir starten nach 20 Minuten in Wolken bzw. im Nebel. Die Sonne ist weg. Wir überlegen, im Refugio Savoia zu bleiben, falls es gleich zu regnen beginnen sollte. Wir wollen aber zum Rifugio Coda weiter, die gut 2 Stunden entfernt sein soll. Freuen uns, dass die Wolkendecke aufreisst und wir gehen schnell weiter. Erst ist es erst mal ein bequemer Wanderweg mit erstaunlich vielen Tagestouristen (per Seilbahn), dann biegt aber ein schmaler, gut erkennbarer und beschildeter Wanderweg ab. Im stetigen Ab und vor allem Auf sind wir bei viel Steingeröll so eine halbe Stunde unterwegs, als es wie aus heiterem Himmel (bzw. aus der Wolkendecke) sehr schnell und heftig zu regnen beginnt. Schnell wird die Regenkleidung angezogen, aber dennoch werden wir auch nass. Im Regen über die Steinfelder zu gehen ist nun wesentlich unangenehmer. Schnell sammelt sich auch Wasser auf dem Trampelpfad. Weiter hinauf und hinab, auch teilweise mit Ketten und Seilen für die Hände oder mit eisernen Trittstufen an einzelnen Felsen führt uns der Weg. Trocken war der Weg viel leichter zu gehen, aber er ist insgesamt gut gepflegt. Fast schlagartig hört der Regen nach einer Viertelstunde auf, aber dann ist halt schon alles nass. Meist in Wolken mit mäßiger Sicht geht es hinauf auf 2280 m, wo urplötzlich nach einer Biegung das Rifugio Coda wie eine Fata Morgana kurzzeitig zu sehen ist. Da ist es kurz nach 14h und der Holzofen bollert, die trockene Wärme ist sehr willkommen und wir können unsere nassen Sachen trocknen. Wir erhalten ein Zimmer mit 2 Stockbetten für uns alleine (unser Zimmer heisst Monte Rosa, das ist der Gipfel, den wir die ganze Zeit nicht sehen, den es aber angeblich geben soll), trinken 2 Biere (Dosen, da Versorgung per Hubschrauber) und wollen nicht mehr hinaus in Nebel, Feuchtigkeit und Kälte. Zurück zu den Basics des Wohlbefindens, also des Feuerplatzes.

Tag 100: 22.08.2019, Donnerstag

Von Piedicavallo nach Oropa. Strecke 17,9 km. Gehzeit 4.30 h. Aufstieg 480 m. Abstieg 230 m. Bewölkt und trocken. Gutes Wanderwetter.

Start ist um 08.45 Uhr. Das Walser Land haben wir nun endgültig hinter uns gelassen. Von Piedicavallo geht es über die Via Roma rasch nach Rosazza. Rosazza ist eine Gemeinde mit rund 90 Einwohnern in der italienischen Provinz Biella, Region Piemont. Zwischen 1901 und 2001 fiel die Einwohnerzahl dramatisch von 1.036 auf rund 90. Wir gehen dann durch das Val Cervo auf der GTA bis zum Kloster San Giovanni. Von dort gibt es einen stillen Weg zum Kloster Oropa. Er führt über den aussichtsreichen Colle Cucco (1247 m). Dort steht man direkt über der Poebene und schaut auf Biella hinunter. Unser Wanderführer gibt an, dass hier auf Initiative von Reinhold Messner 1987 die Naturschutzorganisation „Mountain Wilderness“ gegründet wurde. Das Kloster Oropa (1159 m) ist ein Wallfahrtsort, der (wieder einmal) einer Schwarzen Madonna geweiht ist. Er gehört seit 2003 zusammen mit weiteren acht Sacri Monti im Piemont und der Lombardei zum italienischen UNESCO-Welterbe. Wir kommen um 15.00 Uhr  an und finden im Kloster eine saubere, ordentliche Unterkunft.  Die Etappe heute war etwas leichter, das Wetter OK und es gab auch keine dominanten Schutzhunde. Auch sonst mussten wir keine Abenteuer überstehen. Etwas Erholung tut uns nach anstrengenden Tagen gut. Übrigens: Einige Leser fragen, was aus unserem Nizzaaspiranten Dietmar geworden ist. Ihm geht es gut, wir halten Kontakt. Er ist uns etwa 16 Etappen voraus.

Tag 99: 21.08.2019, Mittwoch

Von Val Vogna nach Piedicavallo. Strecke 22,8 km. Gehzeit 8.00 h. Aufstieg 1210 m. Abstieg 1470 m. Bewölkt und kühl am Morgen, aber trocken, später zeitweise Sonne.

Erholt und nach einem guten Frühstück starten wir um 8.30h von einer Höhe von knapp 1300m Höhe von Ca di Janzo und gehen die ruhige Fahrstrasse am Rifugio San Antonio vorbei in Richtung Talende bzw. talaufwärts. Wir sind froh, dass es nicht regnet. Es ist bewölkt und noch etwas kühl, also ideales Wanderwetter. Tagesziel ist das Rifugio Rivetti auf 2150m, dazwischen sind allerdings drei Pässe zwischen 2300 und 2500m Höhe zu überwinden. Aber auch die rd. 16 km sollten kein Problem für uns sein. Wir gehen zügig und sehen die letzten Walserhäuser, denn nun machen wir den Schritt ins Aostatal. Es wird auch Zeit. Nach der Napoleon-Brücke, die französische Soldaten im Jahr 1800 gebaut haben, um leichter und schneller nach Norditalien kommen zu können, geht es ständig für fast 3 Stunden bergauf. Nach jeder Hochebene folgt die nächste Hochebene mit besonderen Rinderrassen (Galloway?). Die Sonne scheint und das ständige Ansteigen ist anstregend. Bevor wir den Pass auf 2495m erreichen (Passo del Maccagno), müssen wir noch einige grössere Geröllfelder überwinden. Gegen 12h stehen wir oben. Dann gehts steil abwärts und Rudi findet es nicht nachvollziehbar, dass die anschliessend ersten 20m dann weder mit einem Seil noch mit Steinen oder Stufen begehbarer gestaltet worden sind. Bei Nässe wäre diese Passage eigentlich nicht gehbar. Dies ist für einen allgemeinen Wanderweg wie den GTA nicht angemessen. Der Weg führt über ein weites Hochtal, voll mit Schafen und Ziegen (auch ca. 7 Esel am Rand). Kaum nähern wir uns der Herde, stürzen 5 grosse weisse Hunde, die die Herde eigentlich vor Wölfen schützen sollen, bellend und aggressiv auf uns zu. Wir haben die Verhaltensregeln vor einigen Tagen gelesen, drehen uns rum und gehen langsam weg (nicht laufen, Hunde nicht anschauen). Gar nicht angenehm! Sie verfolgen uns eine Weile und wir umrunden grossräumig die Herde. Sehen auch, dass eine grosse Hündin einen ganz kleinen Hund im Mund trägt. Sind dann froh, dass wir mit Umweg doch noch wieder auf den Pfad zurückfinden. Es folgen noch zwei weitere Pässe, die wir überqueren müssen und zwar den Colle de Lanzoney (2395m) und den Colle della Mologna Grande (2364m). Blöderweise gehts es dazwischen immer bis zu 150 Höhenmeter runter im Geröll und im Felsengesocks stets runter und wieder hoch, was kräftig auf die Knie geht. Um 15.30h sind wir endlich auf der Rifugio Rivetta (2150m) angekommen. Wir haben schon 6,5 Stunden in den Beinen. Der Tag war hart genug gewesen. Aber: Die Hütte ist voll, kein Platz für uns. Im Tal 1100 Höhenmeter tiefer mit 2 Stunden Abstieg wird ein Zimmer telefonisch reserviert. Wir trinken ein grosses Bier, ziehen unsere feuchten Socken und Schuhe an, während Wolken- oder Nebelschwaden vom Tal hochziehen. Zu allem Überfluss bricht ein Stock bei Rudi so nach 200m. Mal sehen, was da noch zu reparieren ist. Wir beeilen uns und kommen kurz nach 18.45h in Piedicavallo an. Erst mal duschen nach 8 Stunden Wanderung, dann essen und trinken.  Der Tag war noch deutlich länger als geplant.

Rudi auf der Napoleonbrücke
Das letzte Walserhaus vor dem Aostatal
Rindviecher auf der Alm

Tag 98: 20.08.2019, Dienstag

Von Rima ins Val Vogna. Strecke 16,5 km. Gehzeit 5.20 h. Aufstieg 1090 m. Abstieg 1440 m. Regen am Vormittag, den ganzen Tag Nebel/Wolken.

Wir marschieren um 08.30 Uhr los. Der Wetterbericht hat über den ganzen Tag Regen vorhergesagt. So kommt es am Vormittag auch. Mit Überjacke und Überhose geht es morgens ab der Unterkunft bei Regen steil von 1400 auf 2324 Meter hinauf auf den Colle del Mud. Die Schuhe von Alex ziehen das Wasser auf wie Löschpapier. Nach 30 Minuten sind die Füße nass. Die Schuhe zu wechseln wäre schwierig, da man neue Schuhe schon auch einlaufen sollte. Das trockene Herbsthoch kommt ja nun hoffentlich bald. Zu sehen gibt es bei dem Wetter ausser Regenwolken zunächst nichts. Im Bereich der Alpe Vonco erleben wir dann aber eine Überraschung.  Im Nebel etwa 30 Meter vor uns steht ein stattlicher Auerhahn. Das Tier sieht uns auch, flüchtet aber nicht panisch, sondern schlägt sich gemächlich in die Büsche. So können wir ihn etwa eine ganze Minute gut beobachten. Auf dem Pass angekommen, halten wir uns nicht lange auf und gehen gleich weiter bis zur Rifugio Ferioli (2264). Einkehren wollen wir, so nass wie wir sind, nicht und gehen gleich in einem Stück steil rund 1100 Höhenmeter hinunter ins Tal der Sesia nach Alagna. Wir müssen uns sehr stark konzentrieren, denn alles ist nass und glitschig. Die Gefahr auszurutschen ist groß. Es ist erst 13.00 Uhr als wir im Ort ankommen. Aufgehört zu regnen hat es auch. In Alagna essen und trinken wir etwas und beschließen dann, die nächste Etappe gleich mitzumachen. Die ist ohnehin kurz und geht nur 7 km und 260 Höhenmeter ins Val Vogna. Dort übernachten wir nicht in der Posto Tappa, dem Refugio Sant Antonio, sondern kurz vorher im konfortablen Hotel Regina. Den Tipp für diese Unterkunft haben wir von zwei freundlichen italienischen Familien erhalten. Gegen 16.00 Uhr kommen wir an, genießen die heiße Dusche, die Ruhe im Doppelzimmer, dazu ein Bier bzw. Aperol Sprizz. Das Abendessen nehmen wir in einem alten ehrwürdigen Speisesaal zu uns, der mit Holz und Marmorimitaten von Künstlern aus Rima ausgestattet ist. An der Wand steht der Text des wohl berühmtesten Bergsteiger Liedes der Welt: Là su per le montagne,
fra boschi e valli d’or,
tra l’aspre rupi echeggia
un cantico d’amor.
Là su per le montagne,
fra boschi e valli d’or,
tra l’aspre rupi echeggia
un cantico d’amor. Na verehrte Leser, wohl sofort erkannt, um welches Lied es sich handelt – oder?

Alex auf dem Colle del Mud (2324m) – nach dem Regen und vor dem langen Abstieg in Wolken/Nebel

Tag 97: 19.08.2019, Montag

Von Carcoforo nach Rima. Strecke 10,5 km. Gehzeit 4.00 h. Aufstieg 1040 m. Abstieg 930 m. Regen am Vormittag, viel Nebel/Wolken, bewölkt.

Es sieht wettermäßig gut aus, als wir um 8.30h starten. Die gestern an den Bergspitzen hängenden Wolken sind nicht zu sehen und wir hoffen auf angenehmes Wetter trotz der skeptischen Wettervorhersage. Unser Programm für heute ist wie in den letzten Tage: Start im Tal, steil 1000 Aufstiegsmeter hoch, dann wieder runter ins nächste Tal. Heisst für heute: von Carcaforo auf 1304 m Höhe rauf auf den Colle del Termo mit 2351 m und runter nach Rima (1416 m). Kaum sind wir nach einer halben Stunde am Fuss des Berges und fangen unseren Aufstieg an, fängt es erst zu tröpfeln und dann zu regnen an. Regenjacke an und Rucksackschutz drüber, später auch die lange Regenhose. So stapfen wir den gut erkennbaren, aber steilen Serpentinenpfad mit viel nassem Gras hinauf und freuen uns, als der Regen nach einer Stunde unvermittelt aufhört. Wir sind aussen vom Regen und innen vom Schweiss nass. Raus aus der Regenkleidung. Angenehm, dass kurzzeitig die Sonne wärmt. Vom Tal kommt Nebel hoch, die Sicht verschlechtert sich und es wird etwas kühler. Vom Regen bleiben wir aber nun verschont. Um 11.45h sind wir auf dem Sattel und gehen sofort weiter. In endlosen Serpentinen am steilen grasbewachsenen Hang auf einem schmalen Pfad, der aber sehr gut in Schuss ist, geht es knieschonend 950m runter nach Rima. Die 5 km vom Pass nach Rima schaffen wir in einer guten Stunde mit viel Tempo und ohne Halt. Dabei müssen wir uns schon sehr stark auf den schmalen Trampelpfad konzentrieren, um beim Gras und am Steilhang nicht auszurutschen. Später im Wald ist der Weg dann breiter. Immer wieder Nebel- oder Wolkenschwaden, die die Sicht auf 20-30m beschränken. Es bleibt aber trocken. Um kurz vor 13h kommen wir oberhalb von Rima runter. Rima ist eines der letzten Walserdörfer auf unserer Tour mit weniger bäuerlichen, sondern eher städtischen Häusern. Diese sind sehr hoch, wuchtig, mit vielen Balkonen. Im Sommer zogen die männlichen Walser als Spezialisten für Steinhauer, Gipser und Maurer in die grossen Städte der Schweiz und Italiens, verdienten gutes Geld und investierten es in Rima. Besonders einträglich für Rima waren die Kenntnisse zur Herstellung und Verarbeitung von künstlichem Marmor und gemessen an der Einwohnerzahl soll Rima 1908 der reichste Ort Italiens gewesen sein. Die Spezialisten aus Rima haben u.a. die prachtvoll geschmückten Wände von Herrenchiemsee und Neuschwanstein mit Stuckarbeiten verziert, die täuschend ähnlich aussehen wie richtiger Marmor. Auch in vielen Kirchen, Palästen und repräsentativen Gebäuden (z.B. Rathäusern) haben die Walser Gips zu Marmor verwandelt und viel Geld verdient. Rima ist also kein „normales“ Walserdorf. Auch wir selbst haben ein Zimmer in einem sehr grossen, hohen (5 Stockwerke) und richtig hochherrschaftlichem Haus gefunden.

Nach dem Regen und bevor die Wolken hochkommen
Rima – und wir wohnen in dem hohen Gebäude oben im Bild

Tag 96: 18.08.2019, Sonntag

Von der Alpe Baranca nach Carcoforo. Strecke 9,7 km. Gehzeit 3:20 h. Aufstieg 650 m. Abstieg 990 m. Bewölkt, sehr angenehmes Wanderwetter.

Die Alpe Baranca ist Posto Tappa für Weitwanderer und zusätzlich noch voll bewirtschaftet. Man hält Kühe, Ziegen, Schafe, ein Esel und ein Pferd. Vor dem Abendessen erleben wir ein interessantes Spektakel. Der Chef der Alpe lässt die Tiere, die verstreut auf den Almen stehen, mit Hilfe seines Hütehundes zusammen treiben. Der Hund reagiert vor allem auf Handzeichen aber auch auf  Zuruf. Bleibt ein Tier zurück, agiert er im Sinne seines Herren auch selbständig. Das Pferd und eine fusskranke Kuh treibt er einzeln in den Stall. Es ist beeindruckend, was das Tier leistet. Die Arbeit der Älpler ist hart. Es gibt keine Melkmaschine, alles wird per Hand erledigt. Nachts müssen die Tiere in den Stall und in die Koppel, auch zum Schutz vor den Wölfen, wie uns der Bauer erklärt. Nun zu unserer Etappe: Heute Morgen geht es von der Alpe Baranca  um 08:15 Uhr über den Colle Egua (2239 m) in das Anzasca Tal. Der Baranca See und der Wasserfall sind schon Naturschönheiten, würden aber getoppt vom Blick von der Passhöhe auf den Monte Rosastock. Vom Colle Egua könnte man alle neun Gipfel des Massives, darunter die Vincentpyramide und natürlich die Dufourspitze sehen. Wir haben aber Nebel und sehen gerade 100 Meter weit. Der September mit seinem besonderen Licht, gerade in den Südalpen, steht ja noch bevor. Da werden wir sicher noch entschädigt. Auf dem Weg zum Pass kommen wir an einer großen Schaf- und Ziegenherde vorbei. Die Herde wird von drei riesige Schutzhunden bewacht. Die Rasse nennt man Maremmano-Abruzzese. Am Taleingang stehen dreisprachig Tafeln mit Erklärungen, wie man sich gegenüber diesen mächtigen Tieren verhalten soll. Um die Herde zusammen zu halten und generell als Arbeitshunde setzen die Schäfer hier aber meist Border Collies ein. Nun genug zu den Viechern. Eine erwähnenswert Besonderheit bei den Gebäuden ist die Ruine der Lanciavilla. Der italienische Autokonstrukteur und Rennfahrer kam aus der Region und hatte sich an diesem einsamen Ort eine prächtige Villa als Sommersitz bauen lassen. Die Firma wurde später von Fiat gekauft, das Haus von Lancia ist inzwischen verfallen. Nahe der Passhöhe steht dafür eine neue Biwakschachtel mit 12 Lagern, Holzofen und Gaskocher. Ein junges Ehepaar aus München hat hier, wohl aus ökonomischen Gründen, übernachtet. Von der Passhöhe geht es dann an der Rifugio Boffalora vorbei und in sanftem Gefälle in das archaische Dorf Carcoforo hinunter. Dort kommen wir schon um 13.00 Uhr an und finden Quartier im relativ konfortablen Rifugio Alpenrose. Duschen und Handwäsche sind angesagt.

Die Lancia-Villa oberhalb des Baracasees
Esel kurz vor Carcoforo
Blick auf Carcoforo

Tag 95: 17.08.2019, Samstag

Von Rimella zur Alpe Baranca. Strecke 12.0 km. Gehzeit 3:50 h. Aufstieg 920 m. Abstieg 540 m. Bewölkt und nicht kalt, sehr angenehmes Wanderwetter.

Bevor wir vom heutigen Tag berichten, wollen wir noch vom gestrigen Abendessen berichten, denn es endete erst nach gut 3 Stunden nach 23h. Um 20h begann das Menü mit Speck und Salat, dann Apfelküchle mit Largo, dem milden Speck. Eine sehr interessante Mischung aus Frucht, Teig und salzigem Speck. Dann Frittate, auch sauer eingelegtes Rindfleisch mit Bohnen und Mais (sehr herzhaft und geschmackvoll), Caprese, Vitello tonato, Mascarpone fruchtig, Eselssalami, und noch ein paar Vorspeisen, dann Risotto mit Pilzen, Kaninchen (sehr lecker!), sehr mürber Rinderbraten, ein Stück Huhn mit Sauce und natürlich alles mit Beilagen, dann Eis mit Früchten und es endete mit Espresso und Grappa mit Kastanienaroma (die Flasche stand bei uns auf dem Tisch). Der Liter Wasser schon, aber der Liter Rotwein hat uns nicht genügt. Alles ist in ausgezeichneter Qualität und es sind nur so 10 Personen (alles deutsche Wanderer), die das vollständige Menü genossen. Rudi bekommt oft die doppelte Portion, weil er wohl so hungrig aussieht. Erstaunlicherweise können wir trotz vollem Magen prima schlafen. Nur heute Morgen bei einem sehr üppigen Frühstücksbuffet mit Allem können wir kaum was essen. Die Wirtin schneidet uns ein Stück der frischen Apfeltarte herunter, auf den tollen Käse müssen wir leider verzichten. Sie warnt uns auch, dass auf dem Rifugio Baranca ein Fest stattfindet und wir vielleicht eine Stunde weiter ziehen sollten. Sie kann dort aber niemanden erreichen und hat uns auch im Refugio Baranca angemeldet. Zum Abschied schenkt sie uns noch ein kleines Glas mit Honig und eine kleine Salami. Und erst, als wir noch einen Cafe/Espresso zum Abschied hatten, dürfen wir starten. Da ist es schon 9.30h. Ach ja, für unser Doppelzimmer mit Bad plus unglaublicher Halbpension zahlen wir 58€ pro Person. Es ist angenehm bewölkt, aber nicht kalt, und wir folgen auf den alten Walserwegen dem gut ausgeschilderten GTA. Auf der anderen Talseite steigen wir von Rimella (1193m) hoch auf die kleine Siedlung La Res auf einem Sattel in 1493m mit einem tollen Blick in zwei Täler. Viele bzw. die meisten der Häuser in den Siedlungen (z.B. Roncaccio Inferioro oder Superiore oder im Walserdeutsch Ubru oder Obru) sind verlassen und verfallen langsam. Auch Rimella hat – wie uns die Wirtin sagte – nur noch so 60 Einwohner (im Sommer). Von La Res, wo ein Mann mit Hund 10 Milchkühe beim Grasen beaufsichtigt, gehts abwärts ins Tal auf 1093m und dann am Hang entlang durch einige Häuseransammlungen weiter rein ins Tal. Wir gehen ein Stück an der Strasse entlang. Die endet im kleinen Ort S. Maria. Dann etwas steiler hinauf auf guten Wegen und einem schönen Wasserfall vorbei auf ein sich weitendes Tal mit dem Rifugio Alpe Baranca in einer Höhe von 1580m. Dahinter endet das Tal dann auch bzw. morgen gehts dort hoch hinaus auf unserem Weg nach Süden. Wir reservieren um kurz nach 14h unsere Betten im Lager und harren, ob die Feier der Alpini auf der Hütte uns heute Abend irgendwann schlafen lässt.

Speisesaal in Rimella…..vor dem grossen Abendessen
Rifugio Alpe Baranca

Tag 94: 16.08.2019, Freitag

Von Campello Monti nach Rimella. Strecke 8,7 km. Gehzeit 4:00 h. Aufstieg 650 m. Abstieg 800 m. Vormittags sonnig, nachmittags wolkig, angenehmes Wanderwetter.

Heute starten wir in Campello Monti am Ende des Val Strona zu einer klassischen GTA Etappe. Wir haben für wenig Geld in der ehemaligen Scuola Elementare in Stockbetten übernachtet und gehen um 09.00 Uhr los. Schnell haben wir die rund 600 Höhenmeter zum Pass bewältigt und stehen schon um 10.30 Uhr an der Bocchetta di Rimella (1924 m). So wird der Übergang von den Einwohnern in Campello Monti genannt. In Rimella heißt der Übergang umgekehrt Bocchetta di Campello. Die Walser haben diese Gegend schon ab 1250 besiedelt. Wir erfahren, dass Campello eine Ausgründung von Rimella ist. Bis zum Bau der Kirche in Campello gegen 1551 wurden die Toten über den hohen Pass bis nach Rimella zur Beerdigung transportiert. War der Pass im Winter wegen Schnee nicht gangbar, wurden die Leichen gefroren konserviert und erst im Frühjahr beerdigt. Wenn man die teils verfallenen Siedlungen sieht, bekommt man ein Gefühl für die damals immense Leistung dieses Volkes. Die Steinzeugen der Walser werden uns auch noch über längere Zeit in den kommenden Tagen auf der GTA begleiten. Bei klarem Wetter hat man von der Bocchetta di Rimella eine schöne Aussicht auf die Gruppe des Monte Rosa im Westen. Heute haben wir dort leider einen Wolkenvorhang. Schnell bewältigen wir die 800 Höhenmeter im Abstieg nach Rimella. Heute haben wir sehr viel Glück. Was früher für Bergsteiger der legendäre Philippo in Courmayeur war, ist heute in Rimella die bekannt Albergo Fontana. Das Essen, vor allem die Antipasti, haben den allerbesten Ruf. Wir sind zum Abendessen angemeldet und können 15!!!! Gänge erwarten. Darüber hinaus haben wir in der Albergo wohl das letzte noch freie Doppelzimmer mit Dusche ergattert. Was will man mehr?

Wir sind glücklich über unser Luxuszimmer in Rimella

Tag 93: 15.08.2019, Donnerstag

Von Vogogna nach Campello Monti. Strecke 21,6 km. Gehzeit 7.30 h. Aufstieg 1930 m. Abstieg 830 m. Sonnig, warm mit angenehmer Brise.

Frühstück gab es um 8h, so konnten wir erst um 9h starten. Vogogna liegt im Tal auf ca. 250m Höhe, wir wollen aber zurück auf den GTA und dessen Route führt halt über die Berge. Wir brauchen eine Stunde, bis wir am Fuss der Berge sind. Jetzt soll es erst mal auf 1730m gehen, zu einem Biwakplatz auf dem GTA. Fünf Stunden purer Aufstieg. Klingt nicht gut und ist auch so. Zuerst gehen wir so 1,5 Stunden eine Versorgungsstrasse hoch, immer steil und in Serpentinen. Es ist Niemand und nichts zu sehen. Dann geht es angenehm gerade am Hang auf einer abgedeckten Wasserleitung für fast eine halbe Stunde. Plötzlich weist ein Wegweiser runter von diesem Weg auf einen Pfad, der nicht erkennbar ist. Wir wollen es nicht glauben und gehen ein Stück weiter, bis uns wütendes Hundegebell zurück treibt. Wir trauen uns auf den völlig verkrauteten und zugewachsenen „Pfad“ am Steilhang und kämpfen uns Schrittchen für Schrittchen erst runter und dann wieder hoch. Nach einer schweisstreibenden Viertelstunde erreichen wir zu unserer Verblüffung wieder den ebenen Wasserleitungspfad und kommen hinter dem Haus hoch. Der Hund bellt heftig, ist aber im Zwinger und ein freundlicher Italiener sagt uns auf unsere Nachfrage, dass der weitere Weg nicht so gut sei. Da lag er richtig. Die erste Stunde war noch relativ locker, aber dann suchen wir nur noch nach Schrittspuren in der Hoffnung, dass wir dabei in die richtige Richtung gehen. Um 15h sehen wir das Bivacco de Alpe Lago vor uns. Rd. 1500 Höhenmeter im Aufstieg in 5 Stunden durch mieses Gelände sind geschafft. Es war eine ausgesprochene Qual und dieses Wort ist absolut angemessen. Besonders tückisch sind die Passagen mit langem, überhängendem Gras am Steilhang. Entweder man rutscht auf diesen Gräsern leicht aus. Oder man sieht nicht, wie der Untergrund ist (Stein, Erde, ein Loch) und wie breit der Pfad ist, so dass man auch leicht ins Leere tritt. Wir ziehen unsere völlig verschwitzten Hemden aus, essen Brot und Käse bzw. Wurst, trinken viel und unterhalten uns mit einem Münchner Pärchen, das schon zweimal unseren Weg gekreuzt hat. Klar ist, dass wir nicht im Bivacco (aus hygienischen Gründen) übernachten würden. Die Alternative wäre unser Biwaksack. Kurz vor 16h entschliessen wir uns doch noch, die 3h nach Campello Monti zu gehen. Gemeinerweise gehts erst mal runter, dann hoch über einen Kamm, wieder runter und dann hoch zum Colle dell’Usciolo (2037m) und dann gehts stetig und steil runter auf etwas über 1300m nach Campello Monti. Trotz unserer müden Beine schaffen wir es in 2 Std. und 15 Minuten. Wir sind uns sicher, dass alle Unterkünfte wegen des heutigen Feiertages (Ferragosto) ausgebucht sind und halten schon Ausschau nach flachen Stellen, wo wir unseren Biwaksack aufbauen können.  Da sehen wir ein Schild „GTA“, fragen die davor sitzenden Frauen nach einem Zimmer und haben bald den Schlüssel in der Hand für einen ehemaligen Schulraum mit 7 Doppelstockbetten plus Bad. Und: Wir sind die einzigen Gäste! Wir sind in einem Posto Tappa gelandet. Duschen, umziehen, essen und trinken im Restaurant daneben, schlafen mit Hütten- und Daunenschlafsack, unser Abendprogramm orientiert sich eindeutig an unseren Grundbedürfnissen. Die letzten drei Tage waren auch hart: Wir sind fast 77 km gegangen und haben dabei rd. 4250 Höhenmeter im Aufstieg und gut 3700 Höhenmeter im Abstieg bewältigt. Jetzt müssen wir etwas langsamer werden und uns etwas schonen. Trotz unseres Regen- und Pausentages in der Schweiz hat die Umplanung von Alex uns 2 Tage gegenüber unserer eigenen Planung und sogar 3 Etappen gegenüber dem Rother-Führer eingespart und wir bewegen uns vor den Leuten, die wir am Anfang des GTA ständig auf den Hütten getroffen hatten. Und wir folgen nun auf den Spuren von Dietmar, unserem zeitweisen Kollegen, der aktuell so ca. 3 Wochen im Vorsprung ist. Ach ja: Wir sind jetzt auch schon 3 Monate unterwegs.

Unsere Unterkunft in Campello Monti – die ehemalige Schule

Tag 92: 14.08.2019, Mittwoch

Von Domodossola nach Vogogna. Strecke 25 km. Gehzeit 5:40 h. Aufstieg 650 m. Abstieg 680 m. Sonnig, warm mit angenehmer Brise.

Inzwischen haben wir ein gutes Gespür dafür entwickelt, was wir uns zumuten können. Das Marschieren, die Höhenmeter, die Entfernungen, das Gewicht des Rucksacks, die körperliche Anstrengung sind für uns kein Problem mehr. Schließlich sind wir seit 3 Monaten fast täglich im „Trainingslager“. Problematisch sind die Unterkünfte. Derzeit sind alle Hütten auf der GTA chronisch überbelegt. Oft sind organisierte Gruppen unterwegs, die allein schon die gesamte Kapazität für sich in Anspruch nehmen.  So haben wir derzeit auf den Hütten der GTA keine Chance einen Platz zu bekommen. Auf unsere Anfrage an die Gattascosa haben wir noch nicht einmal eine Antwort erhalten. Diese Woche ist zudem Ferragosto, da ist ohnehin ganz Italien unterwegs. Zudem ist die Situation in den überfüllten Unterkünften alles andere als angenehm. Vor allem an die hygienischen Verhältnisse in den Toiletten und Waschräumen kann man sich nicht gewöhnen. Die Situation wird die kommenden zwei Wochen anhalten, dann aber wird es mit dem Ende der Ferien in Italien und Frankreich leichter. Wir versuchen das Problem elegant zu lösen. Gestern haben wir nach dem Pausentag zwei GTA Etappen auf einmal gemacht und nachdem wir Vorort die Situation auf der Gattascosa in Augenschein genommen haben, einen Themenweg, den Stockalperweg, bis Domodossola gleich angeschlossen. Heute sind wir entlang des Val Grande bis Vogogna marschiert. Damit haben wir Rifugio Laghetto, die Alpe Cheggio, die Alpe della Colma und das Refugio del Lago ausgespart. Irgendwann wollen wir aber wieder in die GTA einsteigen. Wir werden dies voraussichtlich in Campello Monti oder Rimella tun. Heute geht es nach einem Frühstück in einer Bar (Panini und Americano) erst um 09.30 Uhr los. Von der Innenstadt wandern wir gleich hinauf zu einem UNESCO Weltkulturerbe. Das ist der Sacro Monte von Domodossola. 1656 wählten zwei Kapuziner den Hügel Colle Mattarella oberhalb von Domodosso, um ihn zu einer Wallfahrtsstätte zu machen. Es entstanden zwölf Kapellen mit einem Kreuzweg und eine zusätzlichen Kapelle für die Darstellung der Auferstehung Christi. Auf dem Gipfel des Colle Mattarella erhebt sich auch die achteckige Wallfahrtskirche zum Heiligen Kreuz. Nach Besichtigung der Anlage wandern wir auf einem in dieser Form nicht erwarteten attraktivem Themenweg, der Via dei torchi et dei mulini, oberhalb des Val Grande nach Süden. Wir sehen alte Mühlen und gut restaurierte Granitweiler. Bei Villadossola steigen wir etwa 300 m ins Tal ab und marschieren im Tal dann bis zu unserem Tagesziel Vogogna. Wir geben soviel Gas, dass wir zum Schluss an der Unterkunft vorbeistürmen und dadurch etwa 5 Extrakilometer zurücklegen. Gegen 17.00 Uhr kommen wir an.

Lebensgrosse Figuren auf dem Sacro Monte oberhalb von Domodossola
Uralte, ehemalige und verlassene Mühle
Wieder hergestellte und belebte Berghäuser

Tag 91: 13.08.2019, Dienstag

Von Gondo/Schweiz nach Domodossola/Italien. Strecke 30 km. Gehzeit 8.15 h. Aufstieg 1660 m. Abstieg 2210 m. Sonnig mit kaltem Wind in der Schweiz. Sehr gutes Wanderwetter.

Gestern haben wir nichts gemacht, heute dafür mehr als an allen anderen Tagen. Eigentlich klingt es einfach: Von Gondo in der Schweiz von 850m nach Domodossola in Italien auf 280 m. Aber: Zwischen 8.30 und 18.45h sind wir 30 km gegangen und haben fast 3.900 Höhenmeter im Auf- und Abstieg bewältigt. Wir haben die Schweiz nun endgültigt verlassen und sind nun für lange Zeit in Italien. Und das ist gut so. Dies betrifft natürlich nur die Kosten für unsere Geldbeutel. Jetzt aber einen ordentlichen Bericht von diesem Tag. Wir frühstücken sehr gut und üppig und wollen den Bus um 7.50h nach Gondo Kirche nehmen, wo wir vorgestern unsere Tour beendet haben. Peinlich für ehemalige Nahverkehrsexperten, dass sie das Kleingedruckte nicht gelesen haben, dass dies ein Rufbus ist und zwei Stunden vorher angefordert werden muss. Um 8.07h kommt der Postbus regulär. Es verspricht ein sonniger Tag zu werden, aber es weht ein kräftiger und kalter Wind. Um 8.30h setzen wir unsere Wanderung ab Gondo fort mit einem gleich steilen Aufstieg auf das Seitental von Zwischbergen. Ein ganz enges und dunkles Tal und wir bleiben auf der wenig befahrenen Strasse, um möglichst schnell voran zu kommen. Nach einer guten Stunde nehmen wir uns den Passo di Monscera mit einer Höhe von 2080m vor. Der Weg ist gut beschildert und leicht zu gehen, vor allem geht der Aufstieg direkt hoch zum Pass mit Hunderten kurzer Baumstämme auf den letzten 300 Höhenmetern, so dass es wie eine fast endlose Treppe wirkt. Das geht aber kräftig in die Oberschenkel! Verschwitzt, aber erleichtert verlassen wir den zugigen Pass sofort und befinden uns nun auf einem lieblichen Hochtal mit kleinen Seen in Italien. Der kalte Wind ist in der Schweiz geblieben. Viele Tagesausflügler und das Rifugio Gattascosa, die mal eine Übernachtungsmöglichkeit in unseren Planungen war, ist voller Ausflügler, klein und ein touristischer Hotspot. Es ist 12.30h und wir waren echt schnell unterwegs. Jetzt liegen nur noch 20 km und 1700m Abstieg vor uns. So schaffen wir es locker runter ins Tal. Dachten wir. Nach dem grossen Touristenparkplatz essen wir unseren gestern in der Sennerei gekauften Käse mit einem kernigen Roggenbrot und machen uns nach 30 Minuten Pause auf zum weiteren Abstieg. Mal die Fahrstrasse, dann fast senkrecht und kniebelastend durch Wiesen und Wald und bald sind leider die Orientierungen kaum noch zu finden. Ein alter Maultierpfad, über den Waren zwischen der Schweiz und Italien jahrhundertelang ausgetauscht wurden, bringt uns in eine Höhe von 7-800m. Hier wird es dann ganz schwierig und im stetigen Auf und Ab auf meist schmalen Pfaden im Wald am Steilhang suchen wir entlang verfallener Häuser den Abstieg bzw. den Weg nach Domodossola. Menschen sind für Stunden fast keine zu sehen. Ebenso wenig Strassen. Alles musste hier von Menschen oder Tragtieren transportiert werden. Wir sehen viele schon lange verlassene Häuser und z.T. alle paar Hundert Meter ein der Maria geweihtes und gross ausgebautes Marterl. Diese und ab und zu eine Kirche sind noch intakt und nicht verfallen. Wir sind nun auf dem Stockalperweg am Hang unterwegs. Weitere Wege ins Tal gibt es keine oder wir finden sie halt nicht. Um 16h ein Schild „Domodossola 3 h“. Runter zur alten Brücke, wieder hoch zum Weg, immer so in einem Bereich zwischen 850 und 700m bewegend. Am Ende eines eng bebauten Bergdorfes, wo die Hunde nur bei uns bellten und nicht bei den Dorfbewohnern (möglicherweise riechen wir so unbekannt) beginnt eine schmale Fahrstrasse, die auch in engen Serpentinen abwärts führt. Wir folgen ihr, gehen dann mal wieder Wege durch den Wald und nach einem endlos erscheinenden Weg, wo wir Domodossola zwar häufig sehen, aber auch dem Tal irgendwie nicht näher kommen, haben wir es bis 18.45h und mit heissen Sohlen ins sehr warme Domodossola geschafft. Da war dann nur noch duschen, frische Kleidung, essen und trinken und schlafen auf dem Programm. Nicht mal mehr zur zentralen Piazza für ein Absacker haben wir es noch geschafft.

Der Stockalperturm in Gondo
Das Tal von Zwischbergen
Mittagszeit auf der Rifugio Gattascosa

Tag 90: 12.08.2019, Montag

Wegen ganztags prognostizierter starker Regenfälle und Gewitter pausieren wir heute.

Für heute ist über den ganzen Tag zu neunzig bis hundert Prozent Wahrscheinlichkeit Regen angesagt. Dazu starke Gewitterneigung. Heute zu gehen, wäre eine reine Härteübung und zudem wegen der Blitze auch noch gefährlich. Wir müssen ja nicht gehen, sondern sind zum Vergnügen unterwegs und haben Zeit – welch ein Glück!  Deshalb beschließen wir bei einem hervorragenden Frühstück heute zu pausieren, zumal für morgen wieder gutes Wetter prognostiziert ist. Morgen werden wir dann in Gondo exakt an der gleichen Stelle weitergehen, wo wir am Sonntag aufgehört haben. Unser selbst auferlegten Credo lautet weiter: Jeder Meter von Wien nach Nizza wird lückenlos zu Fuß bewältigt, kein Fahrzeug, kein Schiff, keine Bergbahn. Exkursionen an Pausentagen oder bei fehlender Unterkunft sind motorisiert natürlich erlaubt, sofern wir immer dorthin zurückkehren, wo wir den Fussmarsch zuvor beendet haben und auch von dort weitergehen. Die freie Zeit heute nutzen wir für die Überplanung der Etappen. Wir fühlen uns inzwischen stark genug, zwei Etappen an einem Tag zu erledigen. Genau das haben wir für morgen vorgesehen. Auch kulturell sind wir heute aktiv und besuchen ein Heimatmuseum. Wir erfahren einiges über den Simplon Pass. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts wurde der Saumpfad über den Pass vom Inhaber des Salzmonopols Kaspar Stockalper ( eine Schweizer Fuggernatur) ausgebaut,. Die Ware wurde in dieser Zeit mit Maultieren über den Pass geführt, eine im Wallis bis ins 20. Jahrhundert gebräuchlich Methode. Der Pass bekam seine überregionale Bedeutung erst, nachdem Napoleon I. 1801–1805 eine befestigte Passstrasse hatte bauen lassen, um den Pass für seine militärischen Zwecke zu nutzen. Der Simplon war die kürzeste Verbindung von Paris nach Mailand. Seit dieser Zeit war der Simplon mit Postkutschen befahrbar.  Im September 1910 überflog Jorge Chávez Dartnell von Brig kommend den Pass, überquerte damit erstmals mit einem Motorflugzeug den Alpenhauptkamm und stürzte bei der Landung in Domodossola aus 10–20 m Höhe ab. Am heutigen Tag machen wir bei dem trüben Wetter keine Fotos, dafür stellen wir einige bunte sonnige Bilder von schönen Alpenblumen, die wir am Wegesrand gesehen haben, ein.


Tag 89: 11.08.2019, Sonntag

Von der Alpe Veglia nach Gondo in der Schweiz. Strecke 20 km. Gehzeit 6:30 h h. Aufstieg 900 m. Abstieg 1730 m. Sonnig am Morgen, dann bewölkt und oftmals nebelig. Zum Glück hat es fast nicht geregnet.

Die Sonne schien auf die gegenüberliegende Bergkette mit dem Monte Leone (3553m), als wir um 8h nach einem italienischen Frühstück (leider mit einem unglaublich schlechten Kaffee, ganz unitalienisch) starteten. Das Hochtal von Veglia (1760m) sollte für einen Staudamm geflutet werden, ist jetzt aber ein Naturschutzgebiet. Der angenehme und bequeme Weg ging nach einer halben Stunde über in einen steilen Pfad. Unten stand als Warnung, dass der Weg nur was für trittsichere, geübte Wanderer wäre. Der Hinweis war berechtigt. So ca. 14 andere Personen aus dem Rifugio nahmen die gleiche Route. Über eine schöne Hochebene kamen wir gegen 12h am Passo dei Gialit (2225m), wo uns dann etwas die Beschilderung verwirrt bzw. im Stich lässt. Klar ist, dass wir von 2200m runter müssen nach Gondo (855m). Nur wo?  Entlang des Kamms schaffen wir es bis zur Alpe Corwetsch (2025m). Das Tal unten ist sehr eng, die Wände steil abfallend und vielfach ist kein Talboden von oben zu erkennen, weil alles so steil ist. Endlich steht da mal Gondo, und wir gehen in den Steig abwärts. Wald, Steinfelder, Kletterhilfen, es geht gut erkennbar, aber im stetigen Auf- und Ab doch verdammt langsam abwärts. Nach einer Stunde machen wir Pause an einen verfallenen Haus, um unseren Knien mal Erholung zu gewähren. Wir sitzen eine Viertelstunde da, sprechen nichts und hängen unseren Gedanken nach. Rudi stellt fest, dass die Vielfalt bei Schmetterlingen, Raupen, Grashüpfern auch bei Ameisen gegeben ist. Er hat noch nie so kleine, winzige Ameisen gesehen und auch nicht so grosse Ameisen, die locker 20x grösser sind als die winzigen Ameisen. Dann starten wir wieder, aber leider in die falsche Richtung. Weitere 45 Minuten am Hang und abwärts entlang, bis ein Schild uns wieder zurück schickt. Kurze Diskussion, dann schnell und schwitzend in 35 Minuten zum verfallenen Haus und dann rd. 900m runter bis Gondo, wo wir ziemlich kaputt (besonders die Knie) um 17.00h ankommen. Hier endet heute unsere Tour, die wir morgen an dieser Stelle wieder fortsetzen. Es war heute viel anstregender, als es die nackten Daten erkennen lassen. Nach Biwak und Hütten haben wir ein Hotel in Simplon Dorf gebucht, wohin wir nach 18.00h mit dem Postbus losfahren. Eine heisse Dusche ist etwas wundervolles.

Typische Häuser auf einer Alm
Monte Leone (3553m) am Morgen
Unsere Übernachtung: Rifugio Citta di Arona

Tag 88: 10.08.2019, Samstag

Von der Alpe Devero zur Alpe Veglia. Strecke 15 km. Gehzeit 5:30 h. Aufstieg 1160 m. Abstieg 1020 m. Zu Beginn Regen, dann bewölkt, teilweise sonnig. Nach dem Regen gutes Wanderwetter.

Die erste Biwaknacht liegt hinter uns. Das war eine spannende Erfahrung mit unseren neuen Behausungen, einer Mischung zwischen Biwaksack und Zelt. Pünktlich morgens um 06.30 Uhr, also zu einem ungünstigen Zeitpunkt, fängt es auch noch zu regnen an. Zunächst leicht, dann immer stärker. Ein Zelt im Regen abzubauen macht keine Freude. In Windeseile packen wir wortlos unsere sieben Sachen zusammen und retten uns zunächst in ein großes, leeres Indianerzelt, das in etwa 150 m Entfernung auf dem Platz aufgebaut ist. Dort beraten wir, wie  der heutige Tag anzugehen ist. Zunächst gehen wir  in die Bar Fattorini italienisch frühstücken. Italienisch bedeutet in diesem Fall, dass der Kaffee gut ist und man alles andere getrost vergessen kann. Bei der Rückkehr auf den Campingplatz empfängt uns der Eigentümer mit seinem Sohn. Sie haben von unserem Vorhaben gehört und wollen unbedingt ein gemeinsames Foto für Ihre Facebookseite. Symbolisch überreichen Sie uns auch noch einen Siegerpokal. Nicht nur hier erfahren wir von den Italienern sehr viel Freundlichkeit und Gastfreundschaft. Außerhalb vom Massentourismus sind das herzliche Menschen. Nach der Siegerehrung, der Regen hat mittlerweile aufgehört, starten wir um 09.00 Uhr vom Campingplatz und gehen einen schweißtreibender Anstieg in das Buscagna-Hochtal. Es ist schön hier, noch schöner wäre es bei gutem Wetter. Ein junges Schweizer Paar kommt uns entgegen. Sie sind Ende Mai in Ventimiglia gestartet und gehen die GTA von Süden nach Norden. Sie erzählen uns, dass sie unterwegs einen alleinwandernden Deutschen getroffen haben, der auch nach Nizza will. Alle Beschreibungen passen auf Dietmar. So klein ist die Weitwandergemeinde. Über sumpfige Wiesen geht der Aufstieg nun zum Sattel Scatta d’Orogna, wo sich normalerweise ein sagenhaftes Panorama öffnet. Wir sehen heute nur Wolken und müssen uns auf die Wegfindung konzentrieren. Hinter dem Sattel folgt ein kurzer Abstieg, dann ein kurzer Anstieg auf den Passo di Valtendra (2222 m). Wieder geht es über etliche Schneefelder bis wir in das Tal der Alpe Veglia schauen können. In engen Serpentinen erfolgt der Abstieg. Durch  Lerchenwald erreicht man die bewirtschaftete Alm Plan Du Scricc. Die GTA führt  nun immer parallel zum rauschenden Bach zur Alpe Veglia, wo wir um 16. 00 Uhr ankommen. Wir bekommen einen Platz im Lager der Refugio Citta di Arona. Die Hütte ist voll, unser Lager natürlich bis auf die letzte Matratzeiin drei Stockwerken belegt. Waren wir zu Beginn der Tour oft die einzigen Gäste, können wir uns nun über fehlende Mitwanderer nicht beklagen. Ab Ende August wird sich das alles wieder entspannen.

Unsere Biwaksäcke
Ort des Abendessens und des Frühstücks
Typisches Almhaus

Tag 87: 09.08.2019, Freitag

Vom Refugio Margaroli zur Alpe Devero. Strecke 15,7 km. Gehzeit 4.30h h. Aufstieg 510 m. Abstieg 1040 m. Gutes, sonniges Wanderwetter.

Gegen 8.30h brechen wir nach einer wenig erholsamen Nacht im stickigen, warmen Zimmer auf und steigen am Rand des Lago Vannino stetig auf. Die Sonne scheint, die Berge spiegeln sich im See, Wolken sind fast keine zu sehen. Vom Rifugio in 2200m erreichen wir nach knapp 2 Stunden den Pass (Scatta Minoia) in einer Höhe von 2599m. Einige Schnee-und Geröllfelder sind dabei zu bewältigen. Der Weg ist aber gut ausgeschildert und gut zu erkennen. Am Pass dann das (Notfall)Bivacco Ettore Conti, das wir auch nur im Notfall nutzen würden. Anders als sonst, sind einige Personen oder Gruppen vom Rifugio Margaroli mit dem gleichen Ziel gemäss den Etappen des GTA unterwegs. Am Pass ist es windig und kühl, aber bald gehen wir wieder nur in T-Shirt und kurzer Hose. Nach einem steileren Abstieg über steinige Wege wird das Tal sehr breit und wir können den Wegen entlang von Wiesen folgen. Allerdings ist es ein sehr einsames Tal mit vielen Bachläufen. Wir machen so 20 Minuten Rast an einem alten Steinhaus und geniessen die Weite, die Ruhe und die Sonne. Dann folgen wir der steilen und steinigen Versorgungsstrasse und sind bald auf gut 2200m bei der Alpe Forna, wo wir den sehr schön gelegenen Lago di Devero inmitten dichter Nadelwälder (es ist schön, mal wieder Wald zusehen) von oben sehen. Auf einem angenehmen Weg oberhalb des Sees kommen wir um 13.15h in Crampiolo (1773m) an, das einen Agroturismo anbieten soll. Vorher lädt ein junger Bauer, den wir weit oben schon mal gesehen hatten, runde Käselaibe von ca. 20cm Durchmesser in einen Kellerraum. Er zeigt uns auch den zweiten Raum, wo die Laibe geschrumpelt liegen, die die üblichen 2 Monate Reifezeit schon absolviert haben. Wir bekommen Hunger und gehen schneller. Crampiolo mit sehr schön renovierten Häuser, daneben auf alt getrimmte neue Häuser, ein richtig kleines Dorf wie früher mal und absolut voll von Touristen. Hier hätten wir gerne übernachtet, aber es gibt keine Zimmer mehr. So essen wir sehr gemütlich eine grosse und ausgezeichnete Käse-/Speck-/Schinken-/Salamiplatte mit eingelegten Antipasti, trinken gemeinsam einen halben Liter sehr guten Rotwein (natürlich auch Wasser) plus 2 Espressi, für die wir 21€ zu zahlen haben. In der Schweiz hätte uns dies (in schlechterer Qualität) mindestens 60€ gekostet. So gestärkt gehen wir bequem die restlichen 30 Minuten bis Alpe Devero (1634m), wo wir uns ab 15h bei dem schönen Wetter für den Campingplatz und unseren Biwaksack entscheiden. Am Rande neben dem Bach bauen wir es auf, duschen, waschen einige Kleidungsstücke und sind gespannt, wie die Nacht im Biwaksack sein wird. Wir haben Mühe, alle unsere Ausrüstung (auch Rucksack und Schuhe) in dem 2,20m und oben 0,80m (unten 0,60m) breiten Biwacksack unterzubringen. Schliesslich sollen wir da ja auch noch rein.

Käsekeller (die Frischlinge)
Die Kleinigkeit zum Mittagessen
Criampiolo

Tag 86: 08.08.2019, Donnerstag

Von der Capanna Corno Gries zur Refugio Margaroli. Strecke 17,00 km. Gehzeit 5:50 h. Aufstieg 990 m. Abstieg 1120 m. Gutes, sonniges Wanderwetter.

Nach einem mageren Frühstück starten wir um 07.30 Uhr von der Hütte. Nach dem gestrigen Regenwetter  ist es heute sonnig, aber auf über 2000 Metern morgens noch relativ frisch. Weil wir etwas frieren, geben wir Gas und sind deshalb schon nach 45 Minuten auf dem Passo del Corno (2500 m). Das ist der erste von drei Pässen, die wir heute überschreiten. Nach 30 weiteren Minuten stehen wir dann am Griespass mit schönem Ausblick zum Stausee und auf die Gletscherwelt. An der Passkapelle ist Richard Wagner eine Gedenktafel gewidmet, der sich im Jahr 1852 hier noch über Gletschereis über den Pass quälte. Über den Griespass ging früher ein Saumweg. Die Schweizer transportierten ihren aromatischen Hartkäse, den Sbrinz nach Italien. Er ließ sich auf den Märkten in Mailand gut verkaufen. Im Gegenzug nahm man Rotwein mit. Mit Eröffnung des Gotthard im Jahr 1882 brach dann der Handel über den Griespass ab.  Am letzten Sonntag fand hier ein Walslserfest statt, zum Gedenken an die frühere alljährliche Wallfahrt der Pomatter zum Kloster Einsiedeln. Nun steigen wir in schöner Landschaft aussichtsreich 700 m ab zum Lago di Morasco. Im Stausee verschwand 1940 das ganze Dorf Moraschg, damals die höchste Siedlung der Pomatter. Nun geht es zunächst angenehm halb um den Stausee herum und dann ungewöhnlich anstrengend steil 700 m hoch zum Passo Nefelgiu (2583 m). Wir queren dabei zahlreiche Schneefelder, die allerdings alle harmlos sind. Vor unterspülten Schneebrücken mit ungewisse Statik halten wir uns allerdings  fern. Von der Passhöhe erreichen wir nach 40 Minuten in steilem Abstieg  das Rifugio Margaroli (2196m) um 14.15 Uhr. Die Hütte ist ausgebucht. Wir haben keine Reservierung. Überhaupt merkt man, dass wir nun mitten in der Urlaubssaison sind. Es sind sehr viele Wanderer unterwegs. Ab Ende August werden wir wieder leichter Schlafplätze finden. Wo und wie wir heute Abend nächtigen, wissen wir zunächst nicht. Der freundliche Wirt bietet uns an, in seinem privaten Schlafraum mit ihm zusammen zu nächtigen, warnt uns aber, dass er ein starker Schnarchen sei. Wenn das keine gelebte italienische Gastfreundschaft ist. Die Frage, wo seine Moglie schläft, bleibt unbeantwortet. Wahrscheinlich hat sie den Schnarcher ausquartiert. Schließlich bekommen wir im Lager gegen 18.30 Uhr überraschend doch noch zwei Matratzen zugewiesen, weil zwei Wanderer nicht gekommen sind. Rudi schläft im dritten Stock direkt unter der Decke des Zimmers. Unsere Mitbewohner sind alles alte Männer, die schnarchen und nachts oft raus müssen. Wahrscheinlich steht uns keine ruhige Nacht bevor. Das Abendessen und der Rotwein sind wenigstens gut, über die hygienischen Verhältnisse in den Waschräumen mit bei uns nicht mehr gebräuchlichen Stehklos breiten wir den Mantel des Schweigens. Hilfreich ist manchmal an ungewohnten Orten unsere trainierte Oberschenkelmuskulatur.


Blick vom Griespass nach Süden
Unsere Hütte (links unten)

Tag 85: 07.08.2019, Mittwoch

Von Airolo zur Capanna Corno Gries. Strecke 20, 5 km. Gehzeit 5.30 h. Aufstieg 1170 m. Abstieg 110 m. Wolken, meist Regen, nur kurze Auflockerung.

Die Pausentage haben uns nach 1.250 km und 59.000 Höhenmetern im Aufstieg gut getan. Vor uns liegen noch ca. 800 km und 53.000 Höhenmeter bis Nizza, wo wir Anfang Oktober ankommen wollen. Unsere Rucksäcke sind nun etwas schwerer für die fast 5 Wochen bis Susa, wo wir noch eine Pause einplanen. Die Schuhe bzw. Sohlen machen nur so 1200-1400 km mit. Rudi hat ein Schuhpaar mit einem Riss an der Seite (Ergebnis eines Stockstiches) entsorgt und geht mit Schuhpaar Nummer Zwei, Alex hat sich komplett neue Sohlen auftragen lassen. Dietmar, unser zeitweiser Begleiter, hat sich schon vor zwei Wochen neue Schuhe besorgen müssen.
Heute gibt es einen Tag in voller Regenbekleidung. Beim Start in Airolo (1100m) regnet es und bis zur Hütte auf 2330m ändert sich nicht viel. Regen, Nieselregen bei tiefhängenden Wolken, kurze Regenpausen, nur die Sonne sehen wir heute nicht. Es ist kühl, aber zumindest bläst kein Wind. Wir nehmen den talnahen Wanderweg (strada bassa) und entlang der Nufenen-Strasse oder auch direkt dort (es ist nur wenig Verkehr) geht es langsam, aber stetig aufwärts. Wir hören Serien von Gewehrschüssen und sehen dann Gruppen von schweizer Soldaten im Tal, die Schiessübungen in verschiedenen Haltungen und Entfernungen auf Scheiben absolvieren. Auf einem schmalen Wanderweg im Wald kommt uns eine Gruppe von ca. 10 Einradfahrern entgegen. Die Mehrzahl ist zwischen 8 und 12 Jahren alt (auch Mädchen sind dabei) und es muss unglaublich anstrengend sein, am Hang auf dem holprigen, nassen Waldweg rauf und runter auf dem Einrad (mit einem dicken Reifen) unterwegs zu sein. Um 12h kehren wir in All’aqua ein, weil es stark (von oben) regnete, das Wasser auf der Strasse uns (von vorne) entgegen kommt und (unter uns) der Bach rauscht. Auch unter der Regenkleidung sind wir teilweise nass. Nudeln, Käse, Mineralwasser, die Pause von 45 Minuten tut uns gut. Aufgewärmt und gestärkt in einer Regenpause geht es 2,5 Stunden schliesslich steil hoch zur Hütte, wo wir unsere Betten in einem 10er Zimmer raussuchen können. Die Hütte soll voll werden, aber wir brauchen – zumindest für heute – die Regenkleidung nicht mehr.

Capanna Corno Gries in 2330m Höhe
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